Mann mit dem Hammer?

Ambitionierte unter sich. Der richtige Platz für den Erfahrungsaustausch.

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Mann mit dem Hammer?

Beitragvon Gabi » 27.11.2008 / 23:04

Hallo!
Ende Oktober bin ich in Saarbrücken den Halbmarathon gelaufen. Es war nach einer ziemlich langen Verletzungspause und wenig Training mein erster Wettkampf. Ich hatte mir fest vorgenommen, auf Puls zu laufen. Wohlfühlen wollte ich mich. Meine Zielzeit -Vorstellung war 2:20. Unter normalen Umständen wäre eine Zeit knapp unter 2 Stunden realistisch gewesen. Ich wollte mich aber unter keinen Umständen überfordern. Der Lauf begann sehr langsam, weil ich entsprechend weit hinten stand und schlecht an den Läufern vorbei kam. Allerdings hat sich diese Situation ungefähr ab km 5 geändert. Ich hab nur noch überholt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich pro km ein Tempo zwischen 5:30 und 5:45. Ich habe auch ständig meinen Puls beobachtet, weil ich mich nicht übernehmen wollte. Es lief einfach nur perfekt. Wegen der fünf ersten langsamen Kilometer war mir klar, dass ich die 2 Stunden nich knacken würde. Allerdings hatte ich damit auch kein Problem, weil ich ja nicht trainiert hatte. 2:05 nach so einer langen Verletzungsphase schien mir ein absoluter Erfolg zu sein. Bei km 17 kam dann von einer Sekunde auf die andere der absolute Einbruch. Ich bekam keine Luft mehr. Mein Puls war bei 100 % und ich hatte das Gefühl, mir hätte einer einen Zementsack auf die Brust gelegt. Ich musste gehen. Eigentlich habe ich mich dahin geschleppt. Als der Puls wieder Normalwerte angenommen hatte, versuchte ich weiter zu rennen. Sofort kam die akkute Atemnot und das beklemmende Gefühl wieder. Mein Puls schnellte wieder auf 180 hoch. So habe ich mich dann völlig erschöpft ins Ziel geschleppt. Fühlt sich so der Mann mit dem Hammer an? Ich muss nochmal sagen, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt überfordert habe. Es war für mich ein absoluter Wohlfühllauf.

Wer hat auch solche Erfahrungen gemacht?

Gabi
schickt einen lieben Gruß
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Beitragvon runner77 » 03.12.2008 / 15:04

Hallo Gabi!
Glückwunsch erstmal zum Durchhalten und natürlich auch zur guten Leistung! Da wären viele andere vielleicht ausgestiegen. Die Frage ist jetzt natürlich, warum Du so einen herben Einbruch erlitten hast. Ich gehe mal davon aus, dass Du absolut gesund warst, also auch keinen "nicht der Rede Wert Schnupfen" oder so etwas hattest!? Du schreibst, dass Du vor dem HM nicht viel trainiert hast und eine Pause einlegen musstest. Normalerweise ist bei einem einigermaßen guten allgemeinen Leistungsstand und einer nicht zu kurzen Lauferfahrung ja nicht unbedingt ein übermäßiges Training erforderlich, um einen HM zu finishen. Natürlich ist es auch aus dem Stand schwer zu machen, es ist halt von Läufer zu Läufer unterschiedlich. Die Beschwerden, die Du schilderst, hören sich für mich ein bißchen an, als hättest Du einen Hungerast erlitten. Was hast Du vor und während des Laufes gegessen und getrunken? Und wie austrainiert war Dein Fettstoffwechsel vor der Pause? Bei einem "echten" Hungerast ist es allerdings eher so, dass Du auch nicht mehr in Richtung Ziel gegangen wärst, weil man sich dann, wie ich aus eigener schrecklicher Erfahrung weiß, wie tot fühlt. Da ist Ende, da geht nichts mehr :evil: Vielleicht wars eine Mischung aus Fehler beim Essen und Trinken , schlechtem Trainingszustand und evtl. auch Tagesform. Aber was es auf jeden Fall war, war der Mann mit dem Hammer :panik: Denn der ist ein ziemlich subjektives Ereignis und hat Dich bei Deinem Lauf auf jeden Fall ereilt, würde ich mal sagen!
Ich hatte meinen Hungerast übrigens beim Radfahren und musste mich 20 km von zu Hause von meiner Gattin abholen lassen. Peinlich, peinlich! :oops: Aber wie gesagt, da ist Ende!

Liebe Grüße, Andi
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Beitragvon Enibas » 07.12.2008 / 15:02

Hallo Gabi,

ich kann nicht mit ähnlichen eigenen Erfahrungen im Wettkampf aufwarten - aber ich wollte Dir erst mal sagen, wie sehr ich mich freue, Dich wieder hier im Forum zu treffen. Ich habe Dich echt vermisst.
Einfach schön, dass Du wieder da bist.

Was die Erfahrungen betrifft: einer Lauffreundin von mir ist im April bei einem Halbmarathon genau das gleiche passiert. Sie hat sich auch die letzten 5 Kilometer noch ins Ziel geschleppt und damit 2:26 gebraucht, obwohl sie auf 2:05 gelaufen ist. Sie konnte nie rausbekommen, warum ihr das passiert ist. Sie hatte unterwegs ausreichend getrunken und auch was gegessen.

Ich kenne das Gefühl nur vom Training und komischerweise von Läufen, die nicht allzu schnell und allzu lang gelaufen wurden. Genau der Hungerast, den runner77 beschreibt. Mit einem Schlag geht nichts mehr. Zitternde Beine und man möchte sich am liebsten hinsetzen. Kein Bezug zur Ernährung vorher - das ist aufgetreten, wenn ich 3 Stunden oder auch nur 1 Stunde vorher nichts mehr gegessen habe. Seitdem habe ich immer so einen Gelchip in der Tasche. Der hilft ganz schnell, weil man die Nährstoffe/Kohlehydrate über die Schleimhäute in der Backentasche aufnimmt.

Sabine
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Beitragvon Speedy » 08.12.2008 / 18:11

Hallo Gabi,

das klingt alles sehr ungünstig!
Ich hoffe, dass es Dir nun wieder gut geht und muss runner77 zustimmen: Respekt, dass Du das durchgehalten hast.

Über die Gründe können wir nur spekulieren. Ich neige ebenfalls dazu (sorry für's abkupfern, runner77) ein Kohlehydratmangel und/oder einen verschleppten Infekt in Betracht zu ziehen. Wird vom "Mann mit dem Hammer" gesprochen, so wird in der Regel auf die Marathondistanz Bezug genommen und davon ausgegangen, dass dieses Symptom meist zwischen ca. Kilometer 25-30 auftritt. Fakt ist: Der Körper verfügt nicht mehr über ausreichend Kohlehydrate, um daraus schnell verfügbare Energie bereitstellen zu können und schaltet auf Fettabbau um. In dieser Zwischenphase erfolgt ein massiver Leistungseinbruch. Da ist dann viele möglich: Zittrige Knie, Kältegefühle mit Zähneklappern, Kreislaufprobleme, Krämpfe etc. etc. Welche Symptome wie stark und in welcher Form auftreten, ist individuell verschieden.

Legt man diese Definition zugrunde, kann durchaus davon gesprochen werden, dass Du dem legendären "Mann mit dem Hammer" begegnet bist. Du sagst ja selbst, dass Du aufgrund der Verletzungspause wenig trainiert hast. Ich gehe davon aus, dass Du weiterhin im Training eher kürzere Strecken gelaufen bist, z.B. 5 km, 10 km, vielleicht auch mal 12 km aber eher selten oder gar nicht 15 km, 20 km oder sogar noch mehr. Und dann kam der große Distanzsprung hoch zu 21,095 km im Rahmen des Saarbrücken HM. Dein Körper war es wahrscheinlich einfach nicht mehr gewohnt, frühzeitig bereits die Energie aus den Fettspeicherdepots zu holen und hat zu viel Energie aus den wesentlich begrenzteren Kohlehydratdepots bezogen. Die waren dann bei KM 17 leer und es folgte der herbe Leistungseinbruch.
Stimmt diese Vermutung, so sollte sich das Problem dadurch aus der Welt schaffen lassen, dass Du im Vorfeld zum nächsten HM wieder längere Strecken in ruhigem Tempo trainierst, um den Körper rechtzeitig dazu zu animieren, wieder frühzeitig Energie aus den Fettspeichern zu beziehen.
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Beitragvon Gabi » 16.12.2008 / 19:47

Hallo!

Zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich mich bis jetzt nicht für eure Antworten bedankt habe. Obwohl ich ein Häkchen bei den Benachrichtigungen gesetzt habe, habe ich keine bekommen.

Dir Sabine zuerst mal vielen Dank für deine lieben Worte. Ich habe momentan wenig Zeit. Deshalb bin ich seltener online. Ich will mich im neuen Jahr aber bessern, zumal ich die Beiträge hier in diesem Forum immer gerne lese und auch schon viel gelernt habe.

Andi: Ich glaube nicht, dass ich einen Ernährungsfehler gemacht habe. Ich habe gegessen, wie immer vor einem Lauf. Was mich so gewundert hat war, dass der Einbruch so vollkommen ohne Vorwarnung gekommen ist. Deshalb habe ich mich auch hilfesuchend an euch gewendet.

Speedy hat wohl Recht: Ich hatte zu dem Zeitpunkt seit vielen Wochen keinen langen Lauf gemacht. 10 km waren immer das Maximum.

Na ja, wenigstens kann ich jetzt bei den Begegnungen mit dem Hammermann mitreden.

Ein lieber Gruß an euch
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