Laufbekleidung günstiger beziehen

Allgemeines rund ums Laufen, was sich nicht in eine der anderen Kategorien einordnen lässt

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Laufbekleidung günstiger beziehen

Beitragvon Speedy » 12.09.2010 / 12:59

Hallo zusammen,

aus gegebenem Anlass - ich war gerade eine Woche in Holland und konnte mich dort in einem Sportgeschäft sehr günstig eindecken - soll das Thema "Kosten für Laufbekleidung" näher betrachtet werden.

In der Interviewserie von RUNNING LIFE werden von vielen Läufern die hohen Kosten für Laufschuhe und Funktionsbekleidung bemängelt. Günstiger bekommt man die Ausrüstung häufig über Shops im Internet, auf Marathonmessen oder wenn Laufsportgeschäfte Restposten günstig abstoßen.

In Middelburg auf Zeeland war ich nun gerade in einem Sportgeschäft, das mit Discount-Preisen geworben hat. Die Auswahl war groß und bestand zu einem beträchtlichen Teil aus weniger bekannten Marken. Dazwischen fand sich - nach näherem Hinsehen - aber das eine oder andere Markenschnäppchen. So gab es Badeanzüge und Badehosen von Speedo, eine Laufhose von Asics, ein Lauf-Sleeve von Nike oder Adidas. Wer ein wenig gestöbert hat, konnte fündig werden. Und wie!:
Ich habe eine Laufshorts von Odlo sowie ein Sleeve von Nike erstanden. Die Laufshorts für 10 EUR statt der regulären 45 EUR, das Sleeve für 20 EUR statt regulär 50 EUR. Mit anderen Worten: Der reguläre Preis für die beiden Teile lag bei 95 EUR, bezahlt habe ich mit 30 EUR weniger als 1/3.

Da davon auszugehen ist, dass Sportgeschäfte es sich nicht erlauben können, die Produkte mit Verlust zu verkaufen, stellt sich die Frage, wie groß eigentlich die Gewinnspanne ist? Es ist kein Geheimnis, dass ein Laufschuh, der in Deutschland für 150 EUR über den Ladentisch geht, in Niedriglohnländern für ca. 3 EUR (inkl. Gehalt für die Farbrikarbeiter und Materialkosten) produziert wird. Laut offizieller Leseart teilen sich Hersteller und Händler den Verkaufsgewinn. So war ich vor einiger Zeit in einem Showroom eines namenhaften Laufausrüsters, wo entsprechende Preise für Laufschuhe ausgewiesen wurden. Das hat sich dann folgendermaßen gelesen:
Verkaufspreis Hersteller: 72 EUR.
Empfohlener Ladenverkaufspreis: 160 EUR.
Der Hersteller erhält dann also etwas weniger als 50% des Ladenverkaufspreises, der Händler den "Rest". In diesem Beispiel könnte er den Laufschuh also nicht für weniger als 72 EUR verkaufen, ohne dabei Verlust zu machen. Das wäre evtl. tragbar, wenn dadurch Käufer in den Laden gelockt werden, die vielleicht noch andere (hochpreisigere) Anschaffungen tätigen. Trotzdem bleibt es rätselhaft, wie eine Laufshorts von Odlo für 10 EUR statt 45 EUR oder ein Nike Sleeve für 20 EUR statt 50 EUR verkauft werden kann.
Entweder die Gewinnaufteilung zwischen Hersteller und Händler gestaltet sich bei Laufbekleidung anders als bei Laufschuhen, oder die Preisauszeichnung in vorgenanntem Showroom des namenhaften Herstellers war nicht verbindlich und es steckte noch "Luft nach unten" drin.

Teuer wird es auf jeden Fall für uns Läufer, wenn die Laufbekleidung zum regulären Preis angeschafft wird. Was ist eure Meinung dazu? Habt ihr vielleicht weiterführende Infos zur Preispolitik?
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Laufsachen sind viel zu teuer

Beitragvon Marathonman » 14.09.2010 / 18:58

Die Gewinnspanne bei Kleidern ist einfach ausgesprochen hoch. Früher hat man bei H&M und anderen "Made in China" gekauft. China ist vielen Unternehmen inzwischen aber schon wieder viel zu teuer geworden. Im Etikett steht dann "Made in Bangladesh" was alle Alarmglocken läuten lässt und auf Kinderarbeit und niedrigstlöhne schließen lässt. In Indien streicken sie inzwischen dafür, damit sie (umgerechnet) 50 EUR im Monat Bezahlung für ihre 10-Stundenschichten bekommen. Das alles findet statt, damit wir hier günstiger einkaufen können oder eben nicht günstiger einkaufen. Zumindest bei der Laufbekleidung. Denn die ist bei Markenware extrem teurer und wird mit Sicherheit nicht billiger werden, nur weil sie auf Kosten anderer so wahnsinnig toll günstig produziert wird.

Warum darauf verzichten, den Rahm abzuschöpfen, wenn man sich die Überschüsse genausogut in die eigene Tasche lenken kann?
Wenn die (teure) Markenware gegenüber den Aldi-Angeboten wenigstens den Vorteil hätte, dass die Menschen, die das produzieren, auch vernünftig dafür bezahlt werden. Aber nein. Die Qualität ist zwar höher, die Billigarbeit bleibt.

Markenware hat in der Qualität ihre Vorzüge. Aber kaufen tue ich sie nie zum Normalpreis. Entweder es findet sich ein Schnäppchen, oder die älteren Sachen müssen eben noch eine Weile halten. Nur die Laufschuhe sind natürlich ein komprissfreier Raum. Da bietet sich die Recherche im Internet oder auf Marathonmessen an.

Schön finde ich die Idee von "Lunge". Die produzieren ihre Laufschuhe (Dank 3 Millionen EUR Förderhilfe vom Bundesland, wenn ich mich richtig erinnere) in Ostdeutschland. Dafür gibt es die Modelle nicht für unter ca. 200 EUR rum (glaube ich). Aber die Arbeit derer, die das herstellen, wird fair bezahlt. Jeder muss für sich entscheiden, ob er das fördern will (bzw. es sich leisten kann).
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Re: Laufbekleidung günstiger beziehen

Beitragvon rabe63 » 15.09.2010 / 13:36

Hallo zusammen,

schon länger stöbere ich ab und zu im Laufforum, entdecke immer wieder Neues und finde Antworten auf Fragen. Dank an alle daran Beteiligten!!

Es freut mich sehr, dass dieses Thema hier auftaucht.
Gut ausgerüstet durch die Wälder und an lauschigen Flüssen entlang zu laufen, geniesse ich über alles. Allerdings wohlwissend, dass die Herkunft meiner Ausrüstung sehr viele Fragen aufwirft, welche den Genuss zwar nicht dämpfen, aber mehr als nur nachdenklich machen.
Geschichten von Arbeiterinnen und Kindern, die zu Hungerlöhnen arbeiten müssen, denen stundenlang keine Pinkel-Pausen gegönnt werden, bis hin zu sexueller Ausbeutung haben wir alle schon gehört und kann man im Internet oder in der Presse immer wieder lesen.
Lange habe ich keine Kleider dieser bekannten Labels gekauft, schon nur, weil sie so teuer sind. Jetzt aber laufe ich und bin auch voll dabei...... und ärgere mich über die hohen Preise. Wenn wenigsten die Löhne der Arbeitenden stimmen würde, wäre ich sogar gerne bereit auch mehr zu bezahlen.

Meistens warte auch ich auf die Sonderverkäufe. Unglaublich wie billig da einem Sachen angeboten werden! Bis jetzt dachte ich auch, diese Preisreduktionen werden mit den hohen Margen der normal angebotenen Ware wettgemacht.
Allerdings wird auf der Grafik, meines angefügten Links, nur eine Marge von 30% dargestellt. Das spricht dann wieder dagegen.
Allgemein geht man in der Bekleidungsbranche von viel höheren Margen aus (bis zu 100% und sogar mehr). Was nun stimmt, weiss ich auch nicht.

http://marktcheck.greenpeace.at/1206.html


Schöne Spätsommertage wünsche ich allen!
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Re: Laufbekleidung günstiger beziehen

Beitragvon 4run » 16.09.2010 / 09:47

@Marathonman
Na, na, na - das grenzt ja schon fast an Blasphemie, was Du da schreibst! :P
Ja, richtig: Gotteslästerung. Denn was würden wir Läufer ohne unsere Laufausrüster tun? Barfuß laufen? In Halbschuhen? Also müssen wir weiterhin dankbar über das Angebot sein... [Pause] - mit einem sarkastischen Grinsen im Mundwinkel...
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Re: Laufbekleidung günstiger beziehen

Beitragvon Speedy » 20.09.2010 / 20:06

@rabe63
Also diese Grafik unter der von Dir zitierten URL... ich weiß nicht. Nehmen wir mal an, ein Laufschuh kostet regulär 160 EUR. So ein Teil habe ich auf der Marathonmesse schon für 90 EUR gekauft. Wenn der Einzelhandel tatsächlich "nur" 30% daran verdienen würde, könnte er den Schuh nicht für weniger als 112 EUR verkaufen ohne Verlust zu machen. Nun gut: Jetzt noch das Argument, dass solche Superschnäppchen die Leute vielleicht erst noch in den Laden locken sollen, damit sie auch andere Produkte zum Normalpreis kaufen. Auf einer Marathonmesse greift dieses Argument aber zumindest nicht, denn bei größeren Marathonmessen ist die Konkurrenz gleich am Stand daneben. Und ich bin sicherlich nicht der Einzige, der sich zunächst erst einmal ein wenig umschaut, sich einen Überblick verschafft und dann erst zugreift.

Was ich definitiv aus dem Showroom des namenhaften Herstellers (den ich aus rechtlichen Gründen nicht namentlich nennen möchte) weiß ist:
Verkaufspreis Hersteller: 72 EUR.
Empfohlener Ladenverkaufspreis: 160 EUR.
Das bedeutet im Falle dieses Herstellers aber, dass die Gewinnspanne des Verkäufers ("Einzelhandel") bei 55% liegt.

@Marathonman
Viele Läufer finden die Preise für Laufartikel deutlich überteuert. Bleibt die Alternative, zu Aldi, Lidl, Tchibo und co. zu gehen. Ob die Ausbeutung dort kleiner oder größer ist... - wer weiß? Die Gewinnspanne dürfte definitiv geringer ausfallen. Wer "politisch korrekt" Laufbekleidung kaufen möchte, hat eh einen schweren bzw. unmöglichen Stand. Mangels Auswahl. Du erwähnst "Lunge". Das ist ein gutes Beispiel, welches aber meines Wissens noch keine Nachahmer gefunden hat. Die Schuhe werden in Deutschland produziert mit deutschem Gehaltsniveau. Klar, dass sie dann nicht zum Discountpreis über den Ladentisch gehen können. Das mit den Fördergeldern habe ich auch mal so gelesen. Die Frage ist, ob die Idee auch langfristig finanzierbar bleibt? Auf jeden Fall dürfte nicht jeder Läufer in der Lage sein, sich solche Produkte zu leisten.
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Re: Laufbekleidung günstiger beziehen

Beitragvon sirikit » 23.09.2010 / 14:44

Verkaufspreis Hersteller: 72 EUR.
Empfohlener Ladenverkaufspreis: 160 EUR.
Das bedeutet im Falle dieses Herstellers aber, dass die Gewinnspanne des Verkäufers ("Einzelhandel") bei 55% liegt.

Das ist - wenn eine gute Beratung - Laufbandanalyse etc. - stattfindet - eher wenig. Der Gewinn beträgt auch nicht 55 %. Es müssen die Ladenmiete - Personal - Energie -Steuern usw. und sofort noch davon bezahlt werden. Ich habe auch schon 2 x Laufschuhe einer bekannten Marke - allerdings ein in Sportgeschäften eher nicht geführtes Modell - für 60 € gekauft und war und bin sehr zufrieden. Das ist - wenn man keine großen Probleme hat und die Grösse dieser Marke kennt - eine gute Lösung.
Laufkleidung kaufe ich auch bei den bekannten Discountern ein.

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