Herzfrequenzzonen

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Herzfrequenzzonen

Beitragvon gambinho » 25.02.2011 / 17:30

Hallo Leute, das ist mein erster Beitrag - ich bin ein Forum- und Laufanfänger :D

Letztes Jahr hab ich richtig angefangen mit regelmässigen Läufen, und ich habe es endlich geschafft meinen ersten Wettkampf zu absolvieren (10 Meilen in 01:29:40). Ich erachte mich als Laufanfänger, das Laufen macht mir aber weiterhin grossen Spass und deshalb habe ich angefangen mich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen :)

Nun jetzt hab ich von den Herzfrequenzzonen gelesen, vor Allem interessieren mich, die untenstehenden zwei Zonen:

Aerobe Zone | 70-80% MHF
Fettverbrennungszone | 60-70% MHF

Mein maximaler Puls ist ca. 192, ich bin 23 Jahr jung und ich möchte mich zurzeit auf die Fettverbrennungszone konzentrieren, d.h. einen Puls zwischen 115 - 135.

Mein Problem ist aber, dass ich stets über dieser Herzfrequenzzone bin... was mach ich falsch?
Ich kann bei jedem Lauf eigentlich gut plaudern und es sind so ca. 6:30min/km in letzter Zeit und vom Gefühl her, laufe ich wirklich langsam, langsamer geht es "fast" nicht :)

...Vielleicht sollte ich noch ergänzen, dass ich ein Raucher bin (buuuh - ich weiss :oops: ) kann das etwas mit dem zu tun haben?

Kann mir jemand helfen?

Danke für deine Hilfe!
gambinho
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Re: Herzfrequenzzonen

Beitragvon Speedy » 27.02.2011 / 12:51

Hallo gambinho,

dann erst mal Willkommen im Laufsport und im Laufforum. :D
Inwieweit das Rauchen den Puls beeinflusst, kann ich Dir nicht beantworten. Bin weder Arzt, noch Raucher und habe mich damit nie detaillierter beschäftigt. Folgenden Artikel bei Wikipedia habe ich gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakrauch. Da steht unter anderem:

"In der Folge gelangt dann beim Aktiv- und Passivrauchen nur ein Bruchteil der mit dem Rauch eingeatmeten Nikotinmenge über die Mundschleimhäute (5 %) und die Lunge (die restlichen 95 %) in den Blutkreislauf. Dort verlangsamt es anfänglich den Puls und sorgt nach dem nun beginnenden Blutdruckabfall schließlich - je nach Art und Menge weiterer Nikotinzufuhr - für eine Erhöhung der Pulsfrequenz [...]"

Das bezieht sich jedoch nur auf die temporäre Nikotinaufnahme, nicht auf mögliche dauerhafte Veränderungen der Pulswerte durch Rauchen.

Unabhängig davon, dass Laufen und Rauchen nicht wirklich gut zusammen passen, würde aber erst mal woanders anfangen zu suchen: Dein Maximalpuls beträgt 192? Wenn der Wert nicht stimmt, kannst Du auch die übrigen Berechnungen vergessen. Der Maximalpuls ist individuell veschieden. Im Alter von 23 Jahren dürfte er aber im Schnitt meist höher liegen. Wie hast Du den maximalen Puls von 192 ermittelt? Eventuell hast Du Dich auf irgendwelche Angaben der Pulsuhr verlassen, die nicht unbedingt zuverlässig sind. Oder den Maximalpuls mit einer innovativen Formel berechnet, was bestenfalls ungefähre Anhaltspunkte, in der Regel aber keine verbindlichen Wert gibt, die auf den einzelnen, individuellen Läufer passen...

Wie lange läufst Du schon? Es dauert eine Weile, bis man mit niedrigen Pulswerten eine relativ flottes Tempo laufen kann. Wie lange hängt davon ab, wie regelmäßig gelaufen wird, wie lang die Trainingseinheiten sind aber auch vom einzelnen Läufer und seiner Konstitution selbst. Von Zeitspannen wie 6-12 Monaten auszugehen, ist aber sicherlich ein guter Anfang. Es bringt jedenfalls nichts zu versuchen, sich zu früh an Vorgaben wie "Fettverbrennungszone | 60-70% MHF" zu orientieren. Wenn Du den Eindruck hast, dass Du Dich gut unterhalten kannst und fast schon unterfordert bist, reicht das, um als "Fettverbrennungszone" durchzugehen. Wobei nicht deutlich geworden ist, warum Du in dieser Zone laufen möchtest? Möchtest Du abnehmen? Der Mehrverbrauch an Kalorien ist nicht so groß, wie einem die Fitnessmagazine glauben machen wollen. Statt dem Schokoriegel eine Banane zu essen, bringt praktisch schon mehr Gewinn :P

10 Meilen (16,1 Kilometer) in rund 1.5 Stunden zu laufen ist für einen "Anfänger" auf jeden Fall schon mal eine respektable Leistung!

Viele Grüße
Speedy
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Re: Herzfrequenzzonen

Beitragvon gambinho » 27.02.2011 / 15:51

Hallo speedy

Erstmals herzlichen Dank für die ausführliche Antwort! :)

Ich laufe mit einer Garmin Forerunner Pulsuhr, eigentlich gemäss Tests eine ziemlich zuverlässige Pulsuhr und nach meinen Empfinden ein tolles Teil. Ist aber gut möglich, dass die Uhr nur ungefähre Werte angibt, aber lieber ein ungefährer Wert als gar keiner... Hab jetzt gerade nach einer Formel gesucht und auch nochmals die Daten der Uhr überprüft, ich komm ungefähr immer auf dasselbe Resultat - zwischen 192 - 197. Wie gesagt ich kenn mich in diesem Bereich eigentlich gar nicht gut aus und lass mich auch gerne belehren...
Also wie könnte ich am Besten den Maximal-Puls genau berechnen? Muss ich da zu einem Arzt?

Ich war am Mittwoch nochmals laufen, 7.2 km / 46 min, eigentlich nur ganz kurz und locker und der Puls war auch hier wieder im Schnitt 150. Ich konnte mich sehr gut unterhalten.
Am Freitag ging auch wieder nur kurz, dafür ein bisschen schneller mit 5:30 min/km und da beträgte der Puls wiederum 165/170. Unterhalten viel hier ein bisschen schwieriger :roll:

Wie lange ich schon laufe ist ein bisschen schwierig zu sagen. Im Januar 2010 hab ich angefangen und mich für den Wettkampf (10 Meilen) vom Mai 2010 vorbereitet. Dann aber viel ich in ein Motivationsloch, irgendwie hatte ich mein Ziel erreicht und dann gab es nichts mehr zu tun... :( also machte ich etwa 2 Monate Pause und konzentrierte mich auf Fussball in unserem Verein, was ich während dem Laufen eigentlich immer auch noch gemacht habe. In den Sommerferien (August 2010) habe ich das Training wieder aufgenommen, bis ich es im November unterbrochen habe aufgrund einer Verletzung.. Seit Ende Dezember laufe ich nun wieder regelmässig, d.h. 2-3 Mal die Woche ca. 45/50 Min. Früher waren es längere und ein bisschen intensivere Trainings, aber irgendwie hab ich halt meine Kondition verloren. Dafür die Motivation wieder gefunden :)

Ja die Fettverbrennungszone möchte ich anpeilen um abzunehmen. Auf die Ernährung zu schauen hab ich gelernt und Schoko-Riegel sind tabu 8) :D

Danke :)

Viele Grüsse
gambinho
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Re: Herzfrequenzzonen

Beitragvon Speedy » 27.02.2011 / 19:00

gambinho hat geschrieben:Hab jetzt gerade nach einer Formel gesucht und auch nochmals die Daten der Uhr überprüft, ich komm ungefähr immer auf dasselbe Resultat - zwischen 192 - 197. Wie gesagt ich kenn mich in diesem Bereich eigentlich gar nicht gut aus und lass mich auch gerne belehren...
Also wie könnte ich am Besten den Maximal-Puls genau berechnen? Muss ich da zu einem Arzt?


Das nicht... aber eine gewisse Leidensfähigkeit musst Du mitbringen. Einen realistischen Maximalpuls ermittelt man idealer Weise, indem man bis an die Grenze geht. Das ist aber nichts, was ich einem Anfänger empfehlen würde. Wobei ich Dich nach allem, was Du nun geschrieben hast, nicht mehr als Anfänger einstufen würde. Ich empfehle Dir auf jeden Fall, mal in diesen Beitrag reinzulesen. Da steht einiges drin, was für Dich sicherlich interessant sein dürfte:
http://www.running-life.de/foren/viewtopic.php?f=7&t=263&hilit=Maximalpuls

Um den Maximalpuls herauszufinden, ohne sich auf die Werte von Pulsuhren zu verlassen, läuft man sich erst mal in Ruhe warm. Nun geht es darum, den Puls Schritt für Schritt nach oben zu treiben. Da gibt es verschiedene Vorschläge für Intervalllängen usw. Eine Möglichkeit ist, z.B. erst mal 5 Minuten sehr flott zu laufen. Dann eine Minute in langsamerem Tempo regenerieren, anschließend wieder 4-5 Minuten schnell zu laufen, wieder ein wenig Regeneration usw. Das Tempo der schnellen Einheiten wird kontinuierlich erhöht. Zum Schluss hin läuft man beispielsweise 500 Meter hart an der Belastungsgrenze und wenn eigentlich kaum noch was geht, wird nochmals einige hundert Meter gerannt. Wenn Du dann am obersten Limit bist und längst jenseits der anaeroben Schwelle, hast Du einen Puls, der Deinem Maximalpuls entspricht.

Du kannst es natürlich auch ganz anders machen, einen "normalen" 5- oder 10 Kilometerlauf absolvieren und dann im Anschluss ähnlich harte Einheiten wie oben beschrieben anfügen. Da dabei dem Körper schon einiges abverlangt wird, solltest Du danach ausreichend regenerieren. Wie gesagt: Das ist nicht jedermans Sache, aber sicherlich die zuverlässigste Methode, sofern der Versuch, das Belastungslimit zu erreichen, nicht halbherzig angegangen wird.

gambinho hat geschrieben:Ich war am Mittwoch nochmals laufen, 7.2 km / 46 min, eigentlich nur ganz kurz und locker und der Puls war auch hier wieder im Schnitt 150. Ich konnte mich sehr gut unterhalten.
Am Freitag ging auch wieder nur kurz, dafür ein bisschen schneller mit 5:30 min/km und da beträgte der Puls wiederum 165/170. Unterhalten viel hier ein bisschen schwieriger :roll:

5:30er Schnitt ist nicht soooo langsam. Natürlich wird es zig Läufer geben, die schneller laufen können. Aber auch sehr viele, die einen 5:30er Schnitt keinen Kilometer durchhalten.
Einerseits läufst Du schon mehr als ein Jahr, wenn Du Januar 2010 angefangen hast. Andererseits hast Du zwischendrin pausiert.
Meine persönliche Meinung ist: Mach' Dich nicht verrückt wegen der Pulswerte, sondern gehe mehr nach Deinem Gefühl. Wer noch locker plaudern kann und kaum aus der Puste ist, der befindet sich nicht kurz vor der anaeroben Schwelle. Auch wenn die Pulsuhr schon 155 anzeigt. Ich würde die Pulsmessung mal für eine Weile außen vor lassen und nach einigen weiteren Monaten regelmäßigen Laufens mal wieder prüfen.

gambinho hat geschrieben:Ja die Fettverbrennungszone möchte ich anpeilen um abzunehmen. Auf die Ernährung zu schauen hab ich gelernt und Schoko-Riegel sind tabu 8) :D

Der Abnehmfaktor durch Laufen allein wird total überschätzt (nicht zuletzt, weil einschlägige Fitness-Magazine der Himmel weiß was versprechen, was ähnlich "realistisch" ist wie die beliebte Botschaft: "in 6 Wochen zum Waschbrettbauch"). Ein trainierter Läufer verbraucht bei gleicher Streckenlänge und gleichem Tempo deutlich weniger Kalorien als ein wenig trainierter Läufer, weil der Körper gelernt hat, effizienter mit seinen Energiereserven umzugehen. Über den Daumen mal Pi verbraucht man bei einer halben Stunde Laufen so um die 400 Kcal. Allein der Grundumsatz (ohne Sport) ist innerhalb von 24 Stunden rund 5x so hoch. Mit einem Glas (250 ml) frischer Biomilch mit 3,8% Fett hast Du 40% der Kalorien, die Du in einer halben Stunde verbraucht hast, schon wieder drin.
Trotzdem bringt regelmäßiges Laufen natürlich was. Ohne gleichzeitige vernünftige Ernährung aber eben weniger. Wer läuft, verbraucht zudem mehr Energie und isst meist mehr. Auf der "Haben-Seite" bilden sich beim Laufen natürlich die Muskeln aus. Muskeln verbrauchen jedoch viel Energie und zwar auch dann, wenn man gerade nicht trainiert. Mit anderen Worten: Laufen unterstützt das Abnehmen, kann allein aber keine kalorienreiche Ernährung kompensieren. Zudem hegen viele Menschen die Erwartung, dass Sport (ob nun Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Aerobic) innerhalb weniger Wochen reparieren soll und kann, was in vielen sportfreien, schokoladenlastigen Jahren kaputt gemacht wurde. Dann stimmt das Verhältnis zwischen Erwartung und Realität einfach nicht.

Ich würde mich jedenfalls nicht wegen der paar Kalorien verrückt machen, die Du zwischen dem Tempo für optimale Fettverbrennung und aeroben Trainingsbereich einsparst. Trink lieber bewusst ausreichend und viel Wasser (statt zu viel Saft oder gar Cola (etc.)). Das bringt deutlich mehr :P
Wenn dann statt dem Schokoriegel noch als bevorzugte kleine Zwischenmahlzeit ein Apfel oder eine Banane auf dem Programm stehen, ist das ein sehr guter Anfang...
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