Königskind, Fridolin und andere voralpine Schweizer und schneeverwöhnte Östereicher:
Nicht weiterlesen! Ihr würdet euch nur zu Tode langweilen.
Alle anderen, für die Schnee selbst im Winter eher die Ausnahme denn die Regel darstellt, sind zum Weiterlesen nicht nur eingeladen, sondern geradezu aufgefordert. Denn die Welt ist WEISS. Manchmal wenigstens, so wie z.B. die letzten Wochen sehr häufig, oder auch heute, bei meinem Lauf durch den Schnee.
Zeitig wurden die Laufschuhe geschnürt, denn ca. 15 cm Neuschnee lockten vor der Tür und der Wetterbericht stellt für später am Tag 3 Grad Plus in Aussicht. Das würde im schlimmsten Fall wieder einen ähnlichen Schneematsch bedeuten, wie erst letzte Woche, wo ständig frisches Eiswasser meine Füße umschmeichelte, die sich so trotz zügigem Tempo nicht dazu hinreißen lassen wollten, sich wieder zu erwärmen... Der Schnee funktelte mir jungfräulich entgegen und knirschte verheißungsvoll bei jedem Schritt unter den Sohlen. Der Wald war (noch) leer und Spaziergänger vorerst nicht in Sicht. Die Temperatur war mein Feind! Nicht, weil sie zu niedrig war, sondern umgekehrt, weil sie stieg. Unmerklich aber beständig. Die Bäume begannen damit, zu "kalben" und immer wieder ihre Schneelasten abzuwerfen. Immer häufger begleitet von feinem Schneegeriesel, das beim Durchlaufen erfrischend im Gesicht prickelte. Das Läufchen war bescheiden angesetzt: Auf 12 Kilometer, aus denen dann 13, 14, 15 Kilometer wurden. Und dann 16, 17, 18 km.
Auch die ersten Schlachtenbummler - seltener Läufer, häufiger Spaziergänger, wagten sich nun aus ihren gut beheizten Buden ins Freie, um sich die Welt in weiß nicht entgehen zu lassen. Hunde blockierten zunehmen die Pfade, ihre gelben Pinkelmarken stachen hier und da aus dem nicht mehr ganz so jungfräulichen Weiß hervor. Aber es gab sie auch jetzt noch:
Weiß bedeckte Felder, auf denen man seinen Durst löschen konnte, indem man kurz inne hielt, sich hinunterbeugte und eine Handvoll Schnee in den Mund schaufelte (nicht ohne vorher sicherzustellen, dass das weiß wirklich so naturbelassen war, wie es einem entgegenlächelte...
Die Welt ist weiß und wir Läufer gehören zu den Zeugen. Und manchmal, manchmal sind wir die ersten...




