Hier ist Raum für eure Lauferlebnisse, Höhepunkte bei Wettkämpfen und Kurioses, das euch während eurer Läufe widerfahren ist.
Moderator: Speedy
von runner77 » 11.09.2009 / 16:53
3,8 km Schwimmen - 180 km Radfahren - 42,195 km Laufen - schlichte Zahlen, hinter denen sich für mich seit vielen Jahren Reiz, Herausforderung und die Faszination des Triathlon verbergen. Als Ausdauersportler mit mittlerweile doch schon einigen Jahren Erfahrung, einigen Marathons, Radmarathons, diversen kürzeren Triathlons auf dem Buckel enstschloss ich mich im Sommer vergangenen Jahres, heuer das Unternehmen Ironman zu starten. Meine persönliche, ultimative Herausforderung. Die Wahl fiel letztlich auf Köln - für den Anfang keines der ganz großen Rennen wie Roth oder Frankfurt, etwas günstigere Startgebühr (trotzdem im September 2008 bereits 209 Euro!) und, nicht zu verachten, Übernachtungsmöglichkeit bei einer Tante! Und so war ich schließlich angemeldet für den Cologne 226. Da ich in keinem Verein bin organisierte ich von Beginn an mein Training allein, als Grundlage diente mir ein Trainingsplan aus dem Internet, den ich auf meine Bedürfnisse und Möglichkeiten zuschnitt. Trainingsbeginn war schließlich am 01.12.08, ein Moment, dessen schwerwiegende Bedeutung ich meiner nächsten Umwelt nur schwer vermitteln konnte. Also feierte ich halt den ersten Schritt eines langen Weges allein! War auch schön Naturgemäß wurden in den Wintermonaten intensiv die Kacheln des Straubinger Hallenbades gezählt, gespickt mit einigen Läufen und Rollentrainings daheim im Keller. Mit den ersten wärmeren Sonnenstrahlen im März und April ging es dann endlich raus, die Ausfahrten wurden schnell länger und gingen immer weiter, bereits im Mai hatte ich mehrere Fahrten jenseits der 160 km gemacht. Dazu kamen die ersten langen Läufe. Zu einer speziellen Trainingseinheit kam ich relativ unverhofft, als ich zu meinem Geburtstag am 03.05 einen Startplatz für den Regensburg Marathon geschenkt bekam, der zwei Wochen später (!) stattfand. Hat zwar Spaß gemacht, war aber hart und hat mich letztendlich fast drei Wochen geplantes Training gekostet - vermutlich mehr ein Kopfproblem als ein tatsächlicher Trainingsmangel. Die härtesten Monate, nicht nur für mich, vor allem für meine Frau und meine beiden Kinder, waren Juni/Juli. Ich kam wöchentlich auf ca. 15 Trainingsstunden, eine lange Radfahrt über 6 h, ein langer Lauf über 3 h, eine Koppeleinheit über ca. 4 h dazu noch ein- oder zweimal Schwimmen. Und es regnete fast in jeder Radeinheit mehr oder weniger, die Krönung war eine 160 km Ausfahrt, während der es praktisch ununterbrochen schüttete. Da kommt neben großer Freude immer wieder mal die stille Frage an sich selber auf, wofür das Ganze, zumal man mit diesem Trainingsaufwand nur noch selten wirklich frei von Schmerzen und Beschwerden ist. Es hielt sich jedoch bei mir in Grenzen, weswegen ich mit Stolz sagen kann, dass ich während der gesamten Trainingszeit höchstens eine handvoll geplanter Einheiten aus verschiedenen Gründen nicht gemacht habe. Drei Wochen vor dem Wettkampf, der am 06.09 stattfand, stand die letzte Harte und lange Einheit auf dem Programm, eine wettkampfsimulierende Einheit über die sog. Mitteldistanz (2/90/21), quasi der krönende Trainingsabschluss, der einem nach allem, was schon in den geschundenen Knochen steckt, nochmal so richtig den körperlichen und mentalen Zahn ziehen kann - und bei mir auch tat, gnadenlos. Ab dann wurde getapert - also Zurückschrauben des Umfangs und der Intensität mit oberster Zielrichtung Erholen, Regenerieren und Kräfte tanken für den großen Tag. Trotzdem hatte ich laut Trainingsplan auch in diesen drei Wochen noch einige Einheiten zu absolvieren, die immer noch bis zu 4 Stunden dauerten. Dann war es soweit, das Warten hatte ein Ende, ich war mit meiner Frau bereits am Vortag nach Köln gefahren, habe mein Rad eingecheckt, die Wechselzonen angesehen, die Stimmung verinnerlicht, wurde außerdem noch furchtbar nervös und stand nun im Neoprenanzug um kurz vor 7 Uhr morgens mit gut 500 anderen "Verrückten" am Fühlinger See. Mein Plan war klar, jede der Disziplinen langsam angehen, auf den Puls achten, die Kräfte einteilen, auf die Ernährung achten. Ich hatte mir zuvor im stillen Kämmerlein mal durchgerechnet, dass eine Gesamtzeit von ca. 12 h klappen könnte. Nichts desto trotz gab es für mich nur ein Ziel - Ankommen, ein Ironman werden - und wenn ich den Marathon auf allen Vieren krieche! So der Plan! 07.00 Uhr - mit einem Feuerwerk über dem See werden die Sportler auf die lange Reise geschickt - was für ein Moment. Ich schaffe es, das Ganze ganz bewusst zu genießen, lege jeglich Aufregung nach wenigen Zügen ab und komme super ins Schwimmen - "es läuft", sage ich zu mir - es könnte mein Tag werden. Nach 01h04min und 3,8 km steige ich aus dem Wasser. Hochzufrieden mit der Schwimmzeit lasse ich mir beim Wechsel aufs Rad bewusst Zeit, geht alles gut und problemlos - rauf auf meine alte Kiste und raus auf die Radstrecke. Die Radstrecke führt zunächst in die Kölner Innenstadt über die Deutzer Brücke wo an der späteren zweiten Wechselzon gewendet wird. Ab hier geht es dann wieder hinaus vor die Tore Kölns und wieder hinein - eine Runde über 53 km, die dreimal zu fahren ist, insgesamt mit dem Zubringerstück also 180 km. Von Beginn an versuche ich bewusst, meinen Puls, der aufgrund des Schwimmens etwas höher ist, wieder nach unten zu bekommen, in einen Bereich, der mich die folgenden Stunden vernünftig bewältigen lassen wird. Immer wieder muss ich der Versuchung widerstehen, überholenden Fahrern hinterherzugehen - der Tag hatte eben erst begonnen. Gezielt beginne ich, alle zehn Minuten einen Schluck aus den mitgeführten Flaschen zu nehmen. Im Training bereits habe ich verschiedenen Ernährungsmöglichkeiten getestet und habe mich schließlich für eine selbstgefertigte Maltodextrinmischung entschieden, die aus meiner Sicht mehrere Vorteile bietet - ich persönlich vertrage es gut, ein wichtiger Aspekt, wenn man weiß, dass etwa die Hälfte aller Langdistanzler während des Wettkampfs mit Magenproblemen zu tun hat. Weiterhin bin ich dadurch zum Trinken gezwungen - kein Trinken, keine Energie - und kann so eher einer Dehydrierung vorbeugen. Und nicht zuletzt ist es kostengünstig, eine Dose kostet in der Apotheke ca. 10 Euro, ich benötigte während des Trainings und für den Wettkampf insgesamt nur zwei Dosen, keinVergleich zu den üblichen Gels oder Riegeln. Mein Plan sieht also vor, mich auf dem Rad flüssig zu ernähren, in jeder Runde an der Verpflegungsstation zusätzlich eine Banane, später beim Laufen wollte ich dann alle 25 bis 30 Minuten ein Gel zu mir nehmen und natürlich viel Trinken. Das Radfahren verlief abgesehen von einer Verwarnung mit 6 Minuten Zeitstrafe wegen angeblichem Windschattenfahrens problemlos. Ich war mit der Strafe alles andere als einverstanden, da ich zum Zeitpunkt der Verwarnung von meinem "Schattenspender" gerade überholt worden war und trotzdem schon gut 6 oder 7 Meter hinter ihm war. Aber egal, es ist passiert, ich bin nicht Windschatten gefahren. Vor dem Wechsel zum Laufen zeigt mein Tacho einen Schnitt von 32,9 km/h. Ich bin überwältigt, meine körperliche Verfassung ist immer noch ganz gut, auch im Kopf bin ich bereit für den abschließenden Marathon. Wenn ich bis hierher immer noch geschafft habe, mir keinen Kopf über die Endzeit zu machen, kann ich den Gedanken nun doch nicht mehr verdrängen - sollte es tatsächlich möglich sein, unter 11 h zu bleiben, ich kann doch einen Marathon in 4 h laufen, auch hier und jetzt. Ich verbringe 6 Minuten in bester Gesellschaft in der Penalty Box, nutze die Zeit zum Trinken und Dehnen. Laufschuhe an, und los gehts. "Nur noch ein Marathon!!" Und wieder komme ich gut in die Disziplin, das übliche Zwicken im Knie verschwindet wie in den vielen Koppelläufen im Training nach einem Kilometer - ich fühle mich gut, euphorisch! Zu laufen sind vier Runden über gute 10 km immer entlang am Rhein, nicht die schönste aller Strecken, aber mir gefällt von Beginn an, dass man im Begegnungsverkehr mit den anderen Teilnehmern ist - das lenkt etwas ab. Wieder habe ich den Puls im geplanten Bereich eingependelt, der km Schnitt ist besser als geplant, bei etwa 5min30sek . Nicht überpacen, das Tempo reicht locker für sub11. Meine Gedanken pendeln fast schon minütlich zwischen Euphorie, purer Freude über den Lauf, den Tag, die vielleicht zu erwartende Zeit - und dann doch wieder die Angst vor dem, was noch passieren könnte, ich war noch nicht mal 10 km unterwegs! Bei der ersten Wende entdecke ich meine Frau und meine Tante, im Vorbeilaufen wechseln wir ein paar Worte. Es tut gut nicht mehr allein unter Hunderten zu sein, zu wissen dass man bereits erwartet wird. Runde 2 - und die Zeit? Immer noch super, ich leiste mir, ein klein bißchen vom Gas zu gehen und beschließe mich auf einen 6er Schnitt einzupendeln. Dann müsste es locker reichen und ich hätte noch einen Puffer, falls es noch ganz Dicke kommen sollte. Ende der Zweiten Runde schien es dann auch so zu kommen. Ich bekam plötzlich ein heftiges Stechen im linken Knie, außen. Für mich total ungewohnt, das war eine der wenigen Stellen an meinen Beinen, die mir die letzten Wochen und Monate keine Probleme bereitet hatte. Musste es ausgerechnet jetzt sein, so kurz vor dem großen Ziel?! Ich spüre regelrecht Panik in mir aufsteigen. An einer Verpflegungsstelle schiebe ich dann einen kalten Schwamm unter den Kompressionsstrumpf, den ich glücklicherweise trage. Außerdem reisse ich mir ein Tape weg, dass ich um das Knie getragen hatte um Probleme, die ich im Vorfeld an der Innenseite des Knies bereits hatte, zu lindern. Vermutlich lag es an dem Tape, dass die Kniescheibe etwas nach innen zog, aber innerhalb kürzester Zeit wurde das Stechen erträglicher, der kühle Schwamm tat sein übriges. Ich kann wieder laufen, weiter, höre immer wieder in meinen Körper hinein. Das Knie ist ok! Ich spüre es, genauso wie die Leisten, die Füsse, aber ich bin ok und laufe immer noch, mittlerweile in der dritten Runde. Die Verpflegung ist ok, alle 25 Minuten ein Gel, viel Wasser - der Magen? Na ja, es fühlt sich komisch an, kein Grund zur Sorge. Mittlerweile wird es richtig voll auf der Strecke, die Halbdistanzler, die mittags ihren Rennstart hatten, kommen nun nach und nach zum Laufen. Es tut gut. Pünktlich zu Beginn der letzten Runde ist er dann da - der Mann mit dem Hammer. Ein letztes Mal blicke ich zu meiner Frau - Daumen rauf, ich bin ok. Und ich weiß, dass die mit Abstand härteste Stunde des Tages bevorsteht. Jeder Schritt wird jetzt zur Qual, es scheint als müsse ich mich für jeden Meter aufs neue selbst überreden. "Nicht gehen, beginn nicht zu gehen! Beiss die Zähne zusammen!" Ich rede tatsächlich immer wieder ein paar Worte laut mit mir. Ich merke, wie beim Gedanken an ein weiteres Gel oder auch Wasser eine leichte Übelkeit in mir aufsteigt, ich kann unmöglich mehr irgendetwas aufnehmen! Weiter, weiter, weiter, nicht gehen! Ich versuche mich abzulenken, sehe mir bewusst die anderen Läufer an, versuche zu rechnen. Es bleibt beim Versuch, ich schaffe es nicht mehr, meine wahrscheinliche Endzeit auszurechnen. Um die hintere Wende, noch 5 km. Schritt für Schritt, irgendwann hört man die Trommler, die unter der Severinsbrücke Stimmung machen - lauter, immer lauter. Die Menschen an der Strecke werden mehr, das Spalier wird dichter, es wird lauter, ich sehe das Ziel. Noch einmal unter der Dammmauer entlang, auf der hunderte von Zuschauern sitzen, hinauf zum Ziel, nochmal ein paar Meter runter, auf den roten Teppich. Die letzten Meter gehe ich bewusst, versuche den Moment anzuhalten, die Stimmung zu verinnerlichen. Ich habe es geschafft, mein großer Traum, für den ich so hart gearbeitet habe, für den meine Familie so viel in Kauf nehmen musste wird in diesem Moment real - ich bin ein Ironman. Die Zeit, die für mich eine Sensation ist, ist in diesem Moment zweitrangig. Weinend vor Stolz schließt mich meine Frau im Ziel in die Arme - könnte ich die Zeit anhalten, ich täte es. Später, im Erholungs- und Verpflegungsbereich, kann man die Gefühle förmlich spüren - die Freude, den Stolz, die Erleichterung, vielleicht auch die Enttäuschung. Gesichter, gezeichnet von einem langen und harte Tag. Sofort steht für mich fest, ich habe hier nicht meinen letzten Ironman gemacht! Jede Minute Training, jeder Kilometer, egal ob im Wasser, auf dem Rad, laufend, bei Hitze, im Schnee,im Regen, um fünf Uhr morgens, spät am Abend - für diesen Moment, für diesen Tag, für diese Emotionen lohnt es sich - We can be Heroes, just for one day! Schwimmen 1h04 - Radfahren 5h32 - Laufen 4h02 - Gesamtzeit 10h50min
Zuletzt geändert von runner77 am 14.09.2009 / 10:29, insgesamt 1-mal geändert.
The greatest danger for most of us is not that our aim is too high and we miss it, but it is too low and we reach it. Michelangelo
-
runner77
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 74
- Registriert: 16.01.2007 / 17:25
- Wohnort: Straubing
-
von Schwitti » 14.09.2009 / 08:32
Prima runner77! Toller Bericht!!! Beim Lesen hatte ich das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein, obwohl ich noch nie für den Triathlon trainiert habe! Herzlichen Glückwunsch zum Ironman. LG Schwitti http://schwitalle.surfino.info/
Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft!
-
Schwitti
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 5
- Registriert: 27.11.2005 / 17:39
- Wohnort: Burbach
-
von Speedy » 14.09.2009 / 17:33
Eine großartige Leistung, eine wunderbarer Bericht, der einfach Lust auf mehr macht! Fast hatte ich das Gefühl, Dich auf Deinem Weg begleitet zu haben und beim Überqueren der Ziellinie dabei gewesen zu sein.
Herzlichen Glückwunsch zu dieser großartige Leistung, Andi!
Speedy
If riding in an airplane is flying, then riding in a boat is swimming, if you want to discover the elements - leave your vehicle.
-

Speedy
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 619
- Registriert: 11.10.2005 / 13:52
- Wohnort: Köln
-
von Lucky » 15.09.2009 / 12:59
Ein super Bericht. Es läuft einem förmlich die Gänsehaut herunter beim Lesen. Jetzt bin ich in meinem Ziel noch bestärkt worden. Habe nämlich heuer meinen 1. Volkstriathlon absolviert. Marathon bin ich auch schon gelaufen und für 2012 habe ich das große Ziel Ironman. Nach diesem Bericht werde ich alles geben um mir diesen Traum zu erfüllen. Gesund bleiben und noch viel Spaß beim Sport.
GENIESSE DEN AUGENBLICK!
-
Lucky
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 1
- Registriert: 04.01.2008 / 14:48
- Wohnort: Wien
von mcilav » 15.09.2009 / 20:59
Ich habe einen Spruch gelesen der lautet: " Nur für Sekunden spürst du, warum du dir das antust. Aber diesen Moment wirst du nie vergessen"Ein toller Bericht und sei stolz ein Ironman zu sein Ich habe vor 3 Monaten auch mit dem Triathlon begonnen und hoffe auch eines Tages einen solchen gefühlsvollen Moment erleben zu können bei meiner Ironman-Premiere. Gratulation!! Gruß Milan
-
mcilav
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 27
- Registriert: 03.12.2007 / 20:52
- Wohnort: Brackenheim
von runner77 » 16.09.2009 / 11:36
Hallo, ich danke euch für die Glückwünsche und wünsche euch natürlich ebenso viel Erfolg und auch Glück (gehört auch ein bißchen dazu  ) wie ich es gehabt habe. Immer schön dran bleiben und vor allem mit Spaß und Freude trainieren, dann kann man sich Träume erfüllen! Haut rein Andi
The greatest danger for most of us is not that our aim is too high and we miss it, but it is too low and we reach it. Michelangelo
-
runner77
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 74
- Registriert: 16.01.2007 / 17:25
- Wohnort: Straubing
-
von Speedy » 16.09.2009 / 16:30
Hi, ihr Triathlonbegeisterten,
was mich zusätzlich mal interessieren würde ist, was ihr bei der Entscheidung zur Teilnahme an einem Iron Man eigentlich empfindet? Man sagt sich ja sicherlich (selbst als bereits trainierter Marathonfinisher) nicht einfach so: "Okay, ich habe gerade mal eben das Bedürfnis, etwas Außergewöhnliches zu tun - also dann mal los...!!!"
Wie ist eure individuelle Sicht? Was ist die Motivation, auf so eine Strapaze hin zu trainieren? Habt ihr Zweifel (alle die, die die Premiere noch vor sich haben) bzw. hattet ihr Zweifel (spezielle Frage an unseren frischgebackenen Eisenmann runner77)? Wie vermittelt man so was Freunden, Verwandten, dem Partner? Also Menschen, die dazu neigen, sich Sorgen zu machen, dass man ganz aus versehen tot umfällt vor lauter Training oder während des Iron Man? Wie erklärt man denen, dass sie künftig eine längere Zeit zu kurz kommen müssen? Denn mal eben ein paar Stunden Training pro Woche reichen nicht für die Vorbereitung...
Eure persönlichen Erfahrungen, Überlegungen, mögliche Zweifel - all das finde ich sehr spannend.
If riding in an airplane is flying, then riding in a boat is swimming, if you want to discover the elements - leave your vehicle.
-

Speedy
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 619
- Registriert: 11.10.2005 / 13:52
- Wohnort: Köln
-
von runner77 » 17.09.2009 / 13:27
Hallo Speedy, da mach ich doch mal den Anfang. Der Virus Triathlon erfasste mich, nachdem ich als 15 jähriger einen Bericht über den Ironman Hawaii im Fernsehen gesehen habe. Das hat mich damals schwer beeindruckt und fasziniert. Trotzdem musste ich später noch die Karriere eines leicht übergewichtigen Rauchers mit Hang zu Wein, Weib und Gesang durchmachen  Dann wurde es aber ernst und ich begann, auch aufgrund des noch weiter gestiegenen Übergewichts nach dem Rauchstopp, mit dem Laufen, dann bald mit dem Radfahren. Es folgten erste HM und Marathonerfahrungen, Radmarathons und irgendwann der erste Sprinttriathlon. Ich hatte das Glück, dass in meiner alten Dienststelle viele junge Kollegen waren, die ebenfalls viel Ausdauersport machten, irgendwie drehte sich häufig alles um Triathlon. Ich kann mich noch an ein Gespräch mit einem Kollegen vor etwa vier Jahren erinnern, dass ungefähr so lief "Langdistanz...unvorstellbar...naja, die Einzeldisziplinen sind ja vielleicht machbar, aber hintereinander?... niemals... oder?" Und dann hat mich der Ehrgeiz gepackt und die Idee, einen Ironman durchzuziehen, lies mich nicht mehr los. Letztes Jahr entschied ich dann, dass es 2009 soweit sein sollte, ich spürte irgendwie, dass ich das schaffen könnte. Ich erahnte, was ich mir antat, war aber trotzdem von Beginn an hochmotiviert. Während der folgenden Monate hatte ich eigentlich nie das Gefühl, dass ich mich überschätzt hatte. Auch hatte ich keine Bedenken, dass ich scheitern hätte können, vorausgesetz ich sollte verletzungsfrei bleiben. Täglich versuchte ich, das große Ziel zu visualisieren, ich stellte mir den Zieleinlauf immer und immer wieder vor und sehnte das Rennen herbei. Trotzdem begann dann zwei Wochen vorher aus eigentlich unerfindlichen Gründen das große Zittern. Habe ich genug trainiert, habe ich mich überschätzt, warum, wieso und überhaupt, es gibt doch so schöne andere Hobbys  Ich wollte unbedingt vermeiden, dass ich mich 200mal bei Kollegen, Bekannten, Familie... erklären hätte müssen, warum es schief ging. Ganz zu schweigen von der Zeit, die man investiert hatte. Außerdem wollte ich natürlich meine Familie nicht enttäuschen, die viel in Kauf nehmen musste. Ich spürte also plötzlich einen enormen Druck auf mir lasten, der mir tatsächlich gewaltig zu schaffen machte. Im Nachhinein kann ich jetzt sagen, dass es wohl normal ist, wenn man bedenkt, wie intensiv man sein Leben so lange Zeit auf diesen Tag und dieses Rennen hin ausrichtet. Für einen "Freizeitsportler" mit Familie, Beruf, Haus, anderen sozialen Verpflichtungen ist es vielleicht schon fast grenzwertig. Meiner Frau konnte ich es vor einem Jahr leicht vermitteln, was ich vorhatte. Sie kannte meinen Trainingsplan noch nicht und war sich wohl nicht ganz im Klaren, was so alles trainingsmäßig ins Haus steht. Trainingsfreunde (leider kein Triathlet dabei) bemitleideten mich etwas und zeigten vielleicht auch ein bißchen Bewunderung, was ich aber als eher unangenehme Vorschusslorbeeren empfand, "Nichtsportler" aus dem Bekannten-,Freundes- oder Kollegenkreis beichneten mich als leicht verrückt. Ich widersprach nicht Das Rennen klappte perfekt, mein Training in Eigenregie kann also so schlecht nicht gewesen sein und sämtliche Strapazen haben sich vollauf gelohnt, es war ein unbeschreibliches Erlebnis voller verschiedenster Gefühlslagen, letztendlich überwiegte dann natürlich das Glück und der Stolz. Für mich stand sofort fest, dass ich wieder einen Ironman machen werde. Ich kann es jedem, der es vorhat und mit dem Gedanken spielt, empfehlen. Allerdings sollte man wirklich mit voller Überzeugung, Motivation, mit Herzblut und positiver Einstellung rangehen, sonst könnte es scheitern. Jetzt kommt es so, dass 2010 der erste Ironman Regensburg praktisch vor meiner Haustüre stattfindet, 2/3 der Radstrecke gehen durch meinen Dienstbereich, auf dem ich sonst mit einem grün/weißen Auto mehr oder weniger Sicherheit produziere  Ein Heimspiel und ein Wink des Schicksals, würd ich mal sagen!! Im Gegensatz zu meinem Trainingsplan, den ich im Großen und Ganzen nicht verändern werde, brauche ich nur noch einen Plan, wie ich es der Gattin erklären werde  Für Tipps und Ratschläge bin ich übrigens dankbar und offen!! Abschließend möchte ich noch sagen, dass für mich Ironman, Triahtlon, Laufen, Ausdauersport im allgemeinen eine Lebenseinstellung geworden ist, die sich merklich in allen Bereichen, von der Familie bis zur Arbeit, absolut auszahlt und positiv auswirkt. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten! Grüße, Andi
The greatest danger for most of us is not that our aim is too high and we miss it, but it is too low and we reach it. Michelangelo
-
runner77
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 74
- Registriert: 16.01.2007 / 17:25
- Wohnort: Straubing
-
von Speedy » 24.09.2009 / 15:32
Hallo Andi, die Motivations- und Hintergründe finde ich absolut spannend! Danke für den ausführlichen Bericht. Denkst Du wirklich, dass Du Dir das so bald wieder antun wirst? Ein Freund von mir hat sich gleich am Tag nach dem erfolgreichen IRON MAN für die Teilnahme im nächsten Jahr angemeldet, denn die Startplätze sind ja häufig sofort nach Anmeldefreigabe komplett vergeben. Aber so nach und nach hat er dann gemerkt, dass er eigentlich doch nicht bereit ist, nochmal so viel Zeit in die Vorbereitung zu stecken. Während sich Sport ja definitiv positiv auf das Lebensgefühl, die Arbeit und die Freizeit auswirken kann, hat die Vorbereitung zum Iron Man wohl doch eher den gegenteiligen Effekt auf die Freizeit. Im Sinne von "freie Zeit", die man mit Familie und Freunden verleben kann und was nicht mehr so gut geht, wenn der Trainungsumfang zu sehr ausufert. Es sei denn natürlich, Familie und Freunde sind zugleich Trainingspartner 
If riding in an airplane is flying, then riding in a boat is swimming, if you want to discover the elements - leave your vehicle.
-

Speedy
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 619
- Registriert: 11.10.2005 / 13:52
- Wohnort: Köln
-
von runner77 » 25.09.2009 / 23:54
Hallo Speedy, ich bin schon gemeldet für den Regensburg Ironman  Ich hab auch schon wieder Lust auf Training und freu mich jetzt schon auf den "offizielen" Trainingsbeginn im Dezember. Vielleicht bin ich jetzt sogar noch motivierter als vor der Premiere, weil ich es jetzt etwas befreiter angehen kann und weiß, für was für ein einmaliges Erlebnis man sich das antut. Natürlich ist es nicht immer leicht, aber ich versuche meine Einheiten "familienverträglich" zu machen. Seit September gehen meine beiden Kinder in den Kindergarten, so dass ich, bedingt durch den Schichtdienst, häufig vormittags Zeit fürs Training habe. Man muss es halt organisieren, dann klappt es schon. Aber wie gesagt, ohne Schichtdienst könnte ich es mir nicht vorstellen. Und ich kann eigentlich sagen, dass sich das Ganze trotz des hohen Aufwandes schon positiv auf mein Lebensgefühl ausgewirkt hat, und auch wieder auswirken wird, hoffe ich. Im Moment genieße ich es natürlich, mal nicht zu "müssen", aber ich merke, wie die Motivation und Lust langsam wieder kommen. Gruß, Andi
The greatest danger for most of us is not that our aim is too high and we miss it, but it is too low and we reach it. Michelangelo
-
runner77
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 74
- Registriert: 16.01.2007 / 17:25
- Wohnort: Straubing
-
von Speedy » 05.10.2009 / 12:26
Hallo Andi, "Schichtdienst" klingt gut. So, wie Du das betonst, kommen glatt Assoziationen an einen Urlaub auf!!! Aber bei Licht betrachtet hast Du sicherlich auch eine 40-Stunden-Woche. Und wenn am Vormittag eifrig und umfangreich trainiert wird, dann bedeutet das am Abend wahrscheinlich schwere Augenlieder - und das schon vor Feierabend. Oder täusche ich mich da? Es interessiert mich weiterhin, wie die anderen das empfinden (Milan, Lucky, wo seit ihr???). Sich das Ziel Iron Man vorzunehmen und dann konsequent darauf hinzutrainieren. Inklusive einem Wechselbad der Gefühle, wenn es mal super klappt, mal nicht so toll, man vielleicht verletzt ist,.... Du hast da ja fett vorgelegt bei Deiner Beschreibung, Andi. Vielleicht haben die anderen dem einfach nichts mehr hinzuzufügen? 
If riding in an airplane is flying, then riding in a boat is swimming, if you want to discover the elements - leave your vehicle.
-

Speedy
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 619
- Registriert: 11.10.2005 / 13:52
- Wohnort: Köln
-
von mcilav » 15.10.2009 / 21:18
Hallo zusammen,
hier ist mein Bericht.
Angefangen hat alles mit dem Traum, seit meiner Jugend einen Marathon zu laufen und der großen Ernüchterung beim Schwimmen während der Absolvierung vom Deutschen Sportabzeichen. Jeder setzt sich bestimmt Ziele in seinem Leben und auch ich setzte mir mein Ziel einen Marathon zu laufen. 10 Km Lauf , Halbmarathon und schließlich Marathon das waren meine Ziele in den nächsten 2 Jahren. Nach meinem ersten Halbmarathon (01:58 std) und 6 Monaten Lauferfahrung hatte ich das Bedürfnis meine Kondition beim Deutschen Sportabzeichen zu testen. Die Schwimmeinlage (200m!!) verlief bei mir katastrophal und ich bin nach dem Schwimmen für ca. 10 min. mit weichen Beinen am Beckenrand gesessen. Da ich also doch nicht so fit war, begann ich intensiver zu laufen. Schwimmen war für mich erstmal gestorben. Nachdem ich meinen ersten Marathon gelaufen bin, versuchte ich es nochmals mit dem Schwimmen und siehe da, ich hatte richtig spaß dabei und keine Probleme 2 km zu schwimmen. Um nicht im Winter meine Kondition zu verlieren habe ich mir einen Fahrradergometer gekauft. Die Laufeinheiten ergänzte ich nun mit Fahrrad und gelegentliches Schwimmen. Den Einstieg zum Triathlon habe ich durch dieses Crosstraining gefunden.
Mittlerweile bin ich nach drei Jahren meinen zweiten Marathon gelaufen und etliche 10-er und HM. Durch den Einstieg in das Laufen vor 3 Jahren habe ich meine Lebensweise grundlegend geändert. Ich bin ausgeglichener, fühle mich leichter, habe seither keine Erkältung mehr gehabt und allgemein fühle ich mit richtig gut. Ebenso habe ich viele neue und nette Menschen kennengelernt. Die Ziele werden immer höher und auch das Gefühl etwas zu erreichen, was nicht alltäglich ist, ist sehr groß. Man kann fast sagen, das man das Zeug dazu haben muss sich quälen zu können und dabei auch noch Spaß zu haben. Etwas zu tun was nicht jeder kann treibt mich dazu diese Herausforderungen anzunehmen. Den Mythos "Marathon" habe ich bezwungen. Den Ironman 70.3 habe ich als nächstes Ziel. Durch meine Schichtarbeit (Früh/Spät) habe ich vormittags Zeit zum trainieren wenn ich meine Kinder in die Schule/Kindergarten gebracht habe. Für die langen Läufe am Wochenende stehe ich im Sommer sehr früh auf (ca. 05:00 Uhr) damit ich wieder da bin wenn meine Familie zum Frühstück aufsteht. An den Frühschichttagen verschiebe ich mein festes Tri-Trainning in die Abendstunden (Mo.Mi,und Sa morgens) bzw. zusätzliche Tage durch Absprache mit meiner Familie. Ohne Absprache mit meiner Familie ist soviel Training nicht möglich. In 2 Jahren möchte ich soweit sein meinen Ironman 70.3 zu absolvieren aber bis dahin habe ich noch viel Training vor mir und einige kleine Triathlons.
So long
Milan
-
mcilav
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 27
- Registriert: 03.12.2007 / 20:52
- Wohnort: Brackenheim
von runner77 » 14.07.2010 / 23:33
Hallo zusammen,
wie schnell die Zeit vergeht. Schon steht der nächste "längste Tag" vor der Türe. Noch 2 1/2 Wochen bis zum Regensburg Ironman, das Training ist größtenteils beendet und abgesehen von dem langen Winter eigentlich relativ gut und fast frei von Blessuren gelaufen. Ich bin zufrieden, denke dass ich das Nötige gemacht habe und merke, wie die Spannung langsam steigt. Insgesamt muss ich sagen, dass das Training diesmal körperlich bei etwa gleichen Umfängen wesentlich besser lief, vom Kopf her war es aber um ein vielfaches härter als letztes Jahr. Die Motivation war zwar grundsätzlich vorhanden, aber es war vermutlich wegen des ewig schlechten Wetters doch Tag für Tag immer wieder eine enorme Überwindung. Ich werde dann berichten!
Bis dann, Andi
The greatest danger for most of us is not that our aim is too high and we miss it, but it is too low and we reach it. Michelangelo
-
runner77
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 74
- Registriert: 16.01.2007 / 17:25
- Wohnort: Straubing
-
von runner77 » 12.08.2010 / 19:57
Hallo,
so, dann will ich mal kurz vom Regensburger Ironman berichten, der am 01.08 über die Bühne ging. Der Ironman fand heuer das erste mal in der Oberpfalz statt, und aus meiner Sicht war die Premiere bereits sehr gelungen. Das Schwimmen im Guggenberger See verlief wider erwarten relativ gesittet, ich hatte meine Bedenken bei 2000 Startern in dem "Weiher". Aber es ging. Der Radkurs führte dann über zwei Runden durch Teile des Bayerischen Waldes, nach den 180 km hatte man auch satte 1500 Höhenmetern in den Beinen. Das Schmankerl stellte allerdings dann der Marathon dar, der größtenteils durch die Regensburger Innenstadt lief. Dort säumten tausende von Zuschauern die Strecke und sorgten für gewaltige Stimmung. Der Sieg ging übrigens bei den Herren wie erwartet an Faris Al-Sultan, bei den Damen gewann die Lokalmatadorin Sonja Tajsich. Ich persönlich hatte nicht unbedingt meinen besten Tag und bin eigentlich mit meiner Gesamtzeit von 11h53min nicht wirklich zufrieden. Ok, gefinisht, unter 12 h, damit kann ich leben, aber angesichts der Tatsache, dass ich 11 Monate vorher über 1 h schneller war... na ja. Das Schwimmen lief noch hervorragend, ich stieg genau nach 1 h aus dem Wasser. Das Radfahren war mit 5 h 48 min auch noch einigermaßen ok, aber gegen Ende merkte ich schon, dass der Marathon kein Vergnügen werden würde. Es war auch relativ heiß, ich schätze, dass es nachmittags bestimmt 30 Grad hatte. Der Marathon war dann ein Rundkurs, der viermal zu durchlaufen war. Mein Ziel war eigentlich, die 42 km in unter 4 h zu laufen und insgesamt somit auch deutlich unter 11 h zu bleiben. Die ersten beiden Runden kratzte ich zumindest noch an die 1 h pro Runde, ab der dritten war es aber dann vorbei und das große Leiden begann. Krämpfe und komplette Erschöpfung bescherten mir dann eine Marathonzeit von 4 h 56 min. Trotzdem war auch meine zweite Triathlon Langdistanz ein unglaubliches und emotionales Erlebnis. Und somit kann ich heute schon sicher sagen, dass weitere Langdistanzen folgen werden. Nächstes Jahr möchte ich allerdings intensiv an meiner Schnelligkeit in allen drei Disziplinen arbeiten und werde wohl "nur" einige Kurz- und eine Mitteldistanz bestreiten um 2012 dann wieder die Herausforderung Ironman zu suchen.
Viele Grüße, Andi
The greatest danger for most of us is not that our aim is too high and we miss it, but it is too low and we reach it. Michelangelo
-
runner77
- ~~~~~~~~~~~~~~~

-
- Beiträge: 74
- Registriert: 16.01.2007 / 17:25
- Wohnort: Straubing
-
Zurück zu Laufberichte
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast
|
|