Eure Meinung zum Extremlauf auf der Zugspitze?

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Eure Meinung zum Extremlauf auf der Zugspitze?

Beitragvon Speedy » 15.07.2008 / 16:37

Sechshundert Teilnehmer, zwei Tote und die Frage, wo sportlicher Ehrgeiz aufhört und Wahnsinn anfängt...

Dies das Resüme zum Ultralauf auf die Zugspitze in einem Satz zusammengefasst. Laut Obduktionsbericht geht bei einem der beiden Läufern der Tod definitiv auf Unterkühlung zurück, beim anderen Läufer ist die Todesursache derzeit noch nicht eindeutig bestimmbar, aber es gab zumindest keine Anzeichen, dass Vorerkrankungen wie z.B. ein Herklappenfehler für seinen Tod verantwortlich waren.

Sicher, die Läufer haben den Ultra lange vorbereitet, viel Geld für Anreise, Unterkunft und Startgebühren bezahlt. Trotzdem hat der Wetterbericht nichts Gutes verheißen, die Katastrophe war nicht Unvorhersehbar. Hätte der Veranstalter den Wettkampf nicht absagen müssen? Immerhin wurde vom Veranstalter vor dem Wetter gewarnt und es wurde mehrmals wiederholt, man solle Regenjacke, Mütze, Laufhandschuhe, lange Laufhosen (etc.) anziehen. Daran haben sich leider viele nicht gehalten. Und mancher war auch dann nicht bereit, aufzugeben, als die Temperaturen rasant fielen, es schneite und die Grenzen der eigenen Belastbarkeit nicht nur erreicht, sondern längst überschritten waren. Uwe M. aus Witten (Nordrhein-Westfalen) und Hans P. aus Ellwangen (Baden-Württemberg) haben den höchsten Preis gezahlt und sind trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben. Sechs weitere Läufer wurden völlig erschöpft in die Klinik in Garmisch-Patenkirchen eingeliefert, ihre Körpertemperatur lag gerade noch bei 30-32 Grad Celsius.

Eure Meinunge zu diesem traurigen "Mega-Event"?
Wo hört der Sport auf, wo beginnt die Unvernunft?
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Beitragvon jens77 » 15.07.2008 / 20:32

Auch wenn grundsätzlich jeder Läufer für sich und sein Handeln die Verantwortung trägt, denke ich doch, dass der Veranstalter hätte eingreifen (d.h. Rennabbruch) müssen. Insbesondere, weil er hätte erkennen müssen, dass die sanitätsdienstliche Versorgung in der Höhe nicht für die Extremwetterbedingungen ausreichte. Denn es kommen Nachrichten durch, die besagen, dass nicht genügend Wärmedecken und anderes Material gegen Unterkühlung vor Ort waren. Dadurch kühlten die Läufer beim Krankentransport weiter aus.

Sicher kann ich auch den Veranstalter verstehen (dass er nicht eingriff) kostete ihm eine Rennabsage in den letzten Jahren doch ne ganze Stange Geld, weil viele Läufer für diese Sicherheitsentscheidung kein Verständnis zeigten.

Und doch, wie Du schon richtig erwähnst, wir wissen doch wie insbesondere leistungsorientierte Läufer ticken. Und ab wann ist dann ein Extremlauf nicht mehr extrem oder überextrem??? Insofern habe ich in Teilen auch Verständnis für die, die an einem Lauf teilnehmen (und diesen finishen) wollten, der ja offensichtlich stattfand.

Ich kenne nun nicht die Teilnahmebedingungen des Laufes mit den ganzen Veranstalterhinweisen. Somit vermag ich auch nicht ein entgültiges Urteil zu fällen. Vom Gefühl her hat der Veranstalter höchstens fahrlässig gehandelt, was aber die Einzelverantwortung der Läufer nicht berührt - auch ein Läufer muss sein Hirn einschalten. D.h. lieber einen Lauf abbrechen und dafür noch weitere Läufe sicher laufen können.

Gruß
Jens
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Beitragvon runner77 » 15.07.2008 / 21:31

Hallo,

mal angenommen, einige Läufer, die offensichtlich extremer ticken als viele anderen, nehmen sich für den Tag X vor, auf die Zugspitze zu laufen. Sie trainieren, bereiten sich vor, reisen an... Dann stehen sie vor dem Berg, unten regnet es, es hat 10 Grad. Was werden sie wohl tun? Ich behaupte, sie werden laufen.

Das ist die eine Seite des Ganzen, die eigene Verantwortung für sich als Sportler und das eigene Tun und Handeln. Wenn man die Bilder im Fernsehen sieht, wie das Wetter unten war und wie der Berg in Wolken hing, dann muss man sich einfach vorgestellt haben können, wie kalt und nass es werden würde.

Und dann sind wir beim Veranstalter. Denn der hätte es doch erst recht wissen müssen. Es hätte die Möglichkeit bestanden, den Lauf unterhalb am sog. Sonnalpin zu finishen, was dem Veranstalter allerdings bereits vor einigen Jahren einige Kritik brachte. Jeder will schließlich nach oben!

Im vergangenen Jahr starben bei Marathonläufen in Deutschland acht Läufer. Ich weiß natürlich nicht, wie die Bedingungen im Einzelnen waren, und ob Erkrankungen oder körperliche Gebrechen zugrunde lagen. Aber man begibt sich als Teilnehmer eines Marathon bei hochsommerlichen Temperaturen zumindest in abstrakte Gefahr für sein Leben. Und niemand würde dem Veranstalter einen Vorwurf machen.

Sicher, hier liegt der Fall etwas anders, aber trotzdem bin ich der Meinung, ohne Läufer keine Veranstaltung und ohne Veranstaltung kein Veranstalter. Und natürlich auch umgekehrt.

Der Veranstalter hätte handeln müssen, zumindest das Ziel weiter nach unten legen. Dass das Ganze zu heftig war, belegt neben den tragischen Ereignissen auch die Tatsache, das lediglich 193 Läufer ins Ziel kamen (von 550). Ich glaube, man kann hier keinen alleine Schuldigen suchen, so einfach ist das hier nicht. Zumal wir ja alle wissen, wie Läufer nach langem harten Training ticken.

Grüße aus Bayern,
Andi
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Beitragvon Wasseronkel » 15.07.2008 / 21:59

Hallo, hatte noch vor kurzer Zeit diesen Lauf meiner Frau in naher Zukunft als einen zu machenden Lauf angekündigt. Jetzt wurde ich darauf Aufmerksam gemacht welch unfähiger Veranstalter hier sein Geld verdienen will. Schon letztes Jahr konnte er nicht für einen Reibungslosen Ablauf sorgen und dieses Jahr ließ er die Läufer komplett im Regen stehen. Bin mir ziemlich sicher das mehr als die Hälfte keine Erfahrung im Hochgebirge hatten, für sie zählte nur das Extreme und das ist der Höhenunterschied die Steigung das Andere das die Gefahr im Hochgebirge ausmacht davon wissen sie gar nichts und haben auch noch etwas davon gehört. War früher im Alpenverein, waren jedes Wochenende im Gebirge unterwegs, waren auch in kurzen Hosen ohne Hemd unterwegs aber im Rucksack war Kleidung für Notübernachtung im Schnee im Gebirge. Mein früherer Bergkamerad mußte sein Leben lassen beim Lawinensprengen für Geldgierige Veranstalter.

Hochgebirge und Flachland sind bei Witterung zwei Paar Stiefeln. Es gibt kein zurück, es gibt kein stehenbleiben bei nackter Haut im eisigen Wind es gibt nur ein vorwärts es kann sogar tödlich sein wenn welche auf schmalen rutschigen Steigen umkehren und andere entgegen kommen.
Wer von den Flachlandläufer kennt wirklich die Naturgesetze im Hochgebirge, wie oft muß die Bergwacht ins Gebirge um Personen runter zu holen nur weil diese vom Unwetter eingeholt werden. Wo steht etwas bei der Anmeldung das Teilnehmer Hochgebirgstauglich sein müssen obwohl das beinahe jeder Blinde Hochgebirgserfahrene sieht aber die Verantwortlichen nicht sehen wollen.
Ein Hochgebirgserfahrener geht oder läuft niemals ohne warme Kleidung ins Hochgebirge
Die verantwortlichen sollen, müßen dafür sorgen das die Teilnehmer warme Bekleidung dabei haben oder MÜSSEN unterwegs warme Kleidung austeilen. Schon letztes Jahr haben die Verantwortlichen bewiesen das sie unfähig sind ein Event bei schwierigen Witterungsverhältnissen durchzu ziehen. Teilnehmer einfach stehen zu lassen und dabei alleine lassen wie sie zu ihrer Kleidung kommen finde ich eine Frechheit.
Gruß Wasseronkel
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Beitragvon mcilav » 16.07.2008 / 17:10

Meiner Meinung nach hätte der Veranstalter das Rennen im Vorfeld absagen müssen. Da es in der Vergangenheit zu Schadensersatzforderungen gekommen ist, hätte der Veranstalter daraus lernen können und sich bei weiteren Veranstaltungen das Recht nehmen müssen Veranstaltungen abzusagen-vorallem bei solchen Extremlauf-. In solchen Fällen muss der Veranstalter eben anderst kalkulieren und evtl. Gebühren anteilig zurückerstatten um entstandene Kosten zu decken.
Ich finde aber auch jeder selber sollte ein Stück Selbstverantwortung tragen und mit eine Warnung, wie es der Veranstalter gemacht hat, nicht leichtfertig abtun. Es gibt bei jedem Rennen "Grünschnäbel" und "Besserwisser" deshalb sollte der Veranstalter die oberste Stellung einnehmen, denn jedes Menschenleben das es kostet ist eines zuviel.
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Beitragvon schwarzwaldmadel » 16.07.2008 / 18:27

Ich trage zwar zum Teil eure Meinung, finde aber das es zu einfach ist dem Veranstalter die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich habe inzwischen einige Interviews von Radiosendern mit Teilnehmern des Extremlaufs gehört und der Wetterumschwung war zwar angekündigt, aber die Geschwindigkeit wohl doch rasant. Außerdem sind das alles erwachsene Menschen am Start, die was ihre Gesundheit angeht, wirklich für sich selbst verantwortlich sind. Und wenn der Veranstalter vor dem Start und zwar schriftlich darum bittet entsprechende Kleidung mitzunehmen und du meinst du müsstest trotzdem im Sommeroutfit starten....na dann tut´s mir echt leid! Muss man denn jetzt auch noch jeden einzelnen Läufer/in kontrollieren ob sie die warme Unterhose eingepackt haben? Ich denke 15 Grad sind ja auch im Tal nicht hochsommerlich und wenn man sich kündig macht (und das muss man voraussetzen können, bei einem Extremlauf!), dann weiß man ob der Wetterverhältnisse und verhält sich entsprechend.
Es tut mir um die beiden verstorbenen Läufer aufrichtig leid und mein Mitgefühl gehört den Angehörigen. Trotzdem bitte ich darum, sich nicht immer selber aus der Verantwortung zu ziehen und vorschnell einen Schuldigen festzumachen. Im letzten Jahr wurde der Lauf aus Sicherheitsgründen abgesagt und genau die, die sich da beschwert haben und Regressansprüche geltend machen wollten, sind dann die die sich jetzt über den Sicherheitsaspekt mokieren. Nochmal: Wenn ich mich für Extremläufe oder Mehrtagesetappen in schwierigem Gelände anmelde, dann muss ich mich auf jede erdenkliche Weise körperlich und mental, natürlich auch Kleidungstechnisch weitestgehend absichern und vorbereiten- und ein Restrisiko bleibt!
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Beitragvon Enibas » 17.07.2008 / 20:36

Schwarzwaldmadel - du hast mir aus der Seele gesprochen. Ich stimme jedem Satz von dir zu. Genauso sehe ich es auch.

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Beitragvon marathonmaedchen » 20.07.2008 / 13:12

Extrem Läufe liegen im Trend, in vielen Sportarten und diese Sportler sind bereit für solch Events viel Geld zu bezahlen und entsprechende Veranstalter verdienen damit viel Geld.
Sportler zahlt, Veranstalter leistet, unter anderem Sicherheit auch bei extremen Kicks.
Unerfahrene, Doofe, Unbelehrbare - aller Gesundheit und Leben steht ganz oben auf der Prioritätenliste und muss mit Nachdruck geschützt werden.

Jeder Veranstalter weiß, wie Sportler, die Monate oder länger auf einen Saisonhöhepunkt hin trainieren ticken und wie risikobereit sie sind. Kein Radsportler oder Triathlet wird ohne Schutzhelm auf die Strecke gelassen, Eigenverantwortung hin oder her.

Gerade Flachländler haben nicht annähernd eine Ahnung davon, wie ein Wetterumschwung in den Bergen sich auswirken kann.

Ich selbst habe schon erlebt, wie ich in einem Hagelsturm innerhalb von 20 min so ausgekühlt bin, dasss ich nicht mehr sebstständig aus meinen Klamotten gekommen bin, so steif waren meine Glieder - aber ohne diese Erfahrung wäre ich vielleicht auch mit zu dünner Kleidung zu so einem Lauf gestartet, schließlich bin ich schon etliche Wettkämpfe um den Gefrierpunkt in kurz gelaufen und es war ok, in der Ebene halt. Aber wer es nicht erlebt hat, dem fehlt die Vorstellungskraft von diesen Gewalten.

Aber deshalb sterben??? Der Veranstalter mit der nötigen Erfahrung und Wissen hätte diese Menschen mit Nachdruck schützen müssen.

Nochmals: Ein Veranstalter der Extremevents anbietet und damit sein Geld verdient steht in der Verantwortung die machbare Sicherheit für die Läufer zu leisten, auch für die Doofen und Unbelehrbaren
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Beitragvon Wasseronkel » 20.07.2008 / 18:39

Hallo Marathonmädchen, Danke, hatte schon gedacht wäre alleine auf weiter Flur. Laut Zeitungsberichten wird jetzt auch weiter ermittelt gegen den Veranstalter. GRuß Wasseronkel
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Beitragvon Suelztalrunner » 20.07.2008 / 20:07

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Beitragvon schwarzwaldmadel » 20.07.2008 / 21:19

Jetzt sag ich´s aber nochmal: Wenn der Veranstalter mehrmals, schriftlich und durch den Sprecher im Startgebiet, darauf hinweist, doch bitte Winterkleidung mitzunehmen und du bist nicht fähig, aus was für Gründen auch immer, dem Folge zu leisten, dann trägst du und nur du die Verantwortung und in diesem Falle die traurigen Konsequenzen. Das Wort "Extrem" hat eine Bedeutung und da bist auch du in der Pflicht Erkundigungen einzuziehen, denn es betrifft deine Gesundheit und dein Leben und du bist ein erwachsener Mensch, der Risiken einschätzen muss gerade wenn es um so einen Lauf geht. Und nochwas, nach so einem Vorfall hinzugehen, mit der Begründung das alle Läufer im Wettkampffall ihr Hirn und die Ohren ausschalten und damit der Veranstalter an allem Schuld ist, halte ich für ein Armutszeugnis für uns als Läufer und für unseren Sport. Und zu guter Letzt hört doch bitte auf immer von den untrainierten Läufern zu reden. Die beiden Verunglückten Läufer waren absolut keine Anfänger und sehr wohl gut auf diesen Lauf vorbereitet. Letztenendes haben sie die falsche Kleiderwahl getroffen. So zynisch es klingen mag, aber so einfach ist es.
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Beitragvon marathonmaedchen » 20.07.2008 / 22:11

Du hättest das nicht nochmal sagen müssen, ich hab deinen Beitrag schon kapiert, ich akzeptiere deine Meinung doch, aber meine ist eben anders..

Gruß, Doris
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Die beiden wären ohnehin gestorben

Beitragvon Frugivorus » 21.07.2008 / 16:42

Das Leben endet mit dem Tod - und zwar immer!

Jeder Mensch hat das Recht zu entscheiden, wie er die Zwischenzeit verbringt. Niemand muss da rauf laufen. Niemand muss das halb nackt machen.

Vorbereitung heisst meines Erachtens nicht nur Muskeln trainieren, sondern auch das Gehirn. Oder hat Einstein recht mit der Annahme, daß für die Entscheidungsfindung der meisten Menschen das Rückenmark völlig ausreicht?

Wer Informationen zum Wetter auf einem richtigen Berg (knapp 3.000m) bekommt, darauf aber nicht adäquat reagiert stirbt halt.
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Beitragvon Suelztalrunner » 21.07.2008 / 19:55

Jetzt muss ich auch noch mal meinen Senf dazu geben. Grundsätzlich sollte man von jedem mündigen Sportler erwarten, sich entsprechend vorzubereiten. Dazu zählt nicht nur ein vernünftiges Kraft- und Ausdauertraining, sondern auch das Einholen von Information aller relevanten Eventualitäten, zumal wenn es um ein Extrem-Event geht. Andererseits hat der Veranstalter eine Aufsichts- und Fürsorgepflicht. Die Vorkommnisse an der Zugspitze möchte ich hier nicht kommentieren, da ich nicht life dabei gewesen bin und mir so kein Urteil erlauben kann.

Ich kann nur aus meiner Tauchlehrertätigkeit folgendes berichten: bei unserer alljährlichen Tauchsafari im Roten Meer schalten einige Teilnehmer bei geführten Tauchgängen grundsätzlich das Hirn ab, ganz nach dem Motto - der Tauchguide macht das schon. Ich kann mir gut vorstellen, dass genau diese Leute bei Laufwettkämpfen mit dem antackern der Startnummer ebenfalls das Hirn abschalten - weil sie sich betreut fühlen. Bei manchen entwickelt sich auch ein übertriebener Ehrgeiz, z.B. tiefe Wracks antauchen, obwohl sie nicht dafür ausgebildet sind - das könnte man auch wieder aufs Laufen übertragen.

Wie geht man aber zukünftig damit um? Ich kann mich lebhaft erinnern, wie ich einigen Teilnehmern den Tauchgang verboten habe (Unerfahrenheit, Gesundheit, ...). Das Gezeter war laut und manche sind einfach uneinsichtig. Ich stelle mir das gerade an der Zugspitze vor, wie die Ordner versuchen entsprechende Teilnehmer aus dem Feld zu nehmen - bistimmt keine leichte Aufgabe. Und wie sollte man das bei den großen Stadtmarathons handhaben? Dort sind doch mindestens 20% der Starter nicht richtig vorbereitet (Stammtischwette etc.) und es kommt da auch immer wieder zu Todesfällen.

Ich denke die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, aber das werden die Gerichte entscheiden.
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Beitragvon Speedy » 23.07.2008 / 16:30

Die Diskussion bewegt sich eindeutig in Richtung Schuldfrage. Ich finde, das Ganze nimmt in gewisser Weise philosophische Dimensionen an:
Inwieweit ist der einzelne für sein Tun verantwortlich und inwiefern trägt der Veranstalter mitschuld?
Daran scheiden sich auch die Gemüter.

Ich möchte hier noch einmal einen allgemeinen Aspekt ansprechen, der sich nicht (nur) auf das Laufevent Zugspitze bezieht:
Wir in Europa haben meiner Ansicht nach eine gewisse "Rundumversorgungsmentalität". Für fast alles gibt es Versicherungen (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Hausratsversicherung, Haftpflichtversicherung, Lebensversicherung usw. usw.). Wer angestellt war, arbeitslos wird und auch nach einem Jahr noch keine neue Arbeit gefunden hat, dem steht zumindest Hartz 4 in Aussicht, auch wenn das natürlich keine schöne Aussicht ist.
Diese Totalabsicherung hätte ich während meiner Reisen z.B. einem Afrikaner sicherlich nur schwer vermitteln können.

Dieses "Netz" spricht uns aber nicht von unserer Eigenverantwortung frei. Wir können selbständig denken, selbständig Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Gefahren abwägen. Wer sich trotz Warnungen entscheidet, so einen Ultra im Gebirge durchzuziehen, trägt dafür auch Eigenverantwortung (und der Wettersturz war ja bekannt, darauf wurde hingewiesen). Die andere Seite ist die Verantwortung des Veranstalters. Groß ist das Geschrei, umfangreich der Protest von vielen gemeldeten Teilnehmern, wenn der Wettkampf abgesagt wird. Wird er trotzdem durchgeführt und geht etwas schief, so sind die Proteste natürlich ebenfalls groß. Ich bin jedenfalls froh, kein Veranstalter mit so einer Entscheidung im Nacken zu sein.

Suelztalrunner hat geschrieben:Ich denke die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, aber das werden die Gerichte entscheiden.

Das mag sein... Aber was ist Recht? Gibt es so etwas wie "objektives Recht"? Und kann eine Gerichtsentscheidung automatisch den Schlusspunkt setzen? Die Toten werden jedenfalls dadurch nicht mehr lebendig, die Katastrophe ist passiert.

Für mich steht daher außerdem noch eine ganz andere Frage im Brennpunkt:
Wie sieht es in Zukunft aus? Werden Aktive aber auch Veranstalter etwas daraus lernen? Werden Aktive künftig vernünftiger sein (es steht zu hoffen, aber ich bin etwas skeptisch), werden Veranstalter früher die Notbremse ziehen? Was passiert ist, lässt sich nicht ungeschehen machen. Aber man kann zumindest für die Zukunft etwas daraus lernen.
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