Ich werde mal versuchen die Nacht der Nächte nach einer Woche Revue passieren zu lassen. Für genaue km- Episoden reicht mein Gedächtnis nicht aus (übrigens auch bei kürzeren Läufen nicht

), aber meine Eindrücke versuche ich zu schildern.
Ihr wisst ja, das es von mir eine Spontanentscheidung war mich in Biel anzumelden. Wann war das nochmal? Im Februar? Jedenfalls war genug Zeit (da ich ja sowieso am FR-Marathon teilnehmen wollte) um mich gewissenhaft vorzubereiten. Das hab ich dann auch getan und viele lange Läufe gemacht, wie z.B. den Feldbergtrainingslauf (Nochmals Danke an den FC Pfohren). Ich hab mich gut vorbereitet gefühlt.
Ankunft in Biel am 13.06.2008 um kurz vor 5Uhr und ewig nach einem Parkplatz gesucht. Nach einer kleinen Verkehrsmissachtung

haben wir den auch gefunden, Startnummer geholt und meinen Fahrradbegleiter gesucht, gefunden und zu späterer Stunde auch mit allen Nötigen und Unnötigen Sachen beschwert, die ich evtl. während dem Lauf brauchen könnte. Ich war komischerweise nicht nervös! Wir sind noch Spaghetti im Festzelt essen gegangen, aber irgendwie hatte ich keinen großen Hunger. Dann hab ich mich mal selber präpariert (Füsse und andere reibungsgefährdete Stellen mit Melkfett eingeschmiert) und entsprechend der Wettervorhersage angezogen. Es sollte eine kalte, aber trockene Nacht werden. Soviel mal vorweg, es war ideales Laufwetter. Ich habe nie gefroren bei 8°Grad.
Um 22Uhr ging es los mit neuem Teilnehmerrekord und ich war immer noch nicht nervös. Die ersten km gehen durch Biel selber, aber es waren nicht allzuviel Zuschauer da, ich denke einfach das es zu kalt dafür war. Nach 5/6km geht es in die Dunkelheit und das empfindet man als sehr angenehm. Ich bin den Lauf sehr langsam angegangen, weil ich Angst hatte mich sonst zu übernehmen. Es gibt natürlich viele kleine Orte durch die man durchläuft, aber erwähnen sollte ich natürlich Aarberg, das ja mit seiner Brücke schon ein Wahrzeichen bei diesem Lauf ist.Vor der Brücke stand mein Vater und hat mich angefeuert und irgendwo war auch mein Freund, den ich aber leider nicht gesehen habe. Die Stimmung ist hier sehr gut, bildet es auch das Ziel des HM und ist Wechselstation der Staffelläufer. Erst nach ca. 23km dürfen die Velobegleiter zu ihren Läufern stossen, also ist in Lyss die große Suche angesagt. Gott sei Dank find ich meinen Laufkollegen Mario sofort und so geht´s km um km in ruhigem Tempo weiter. Die Anzeigeschilder stehen immer 5km auseinander und ich kann euch sagen, das kann ganz schön lang sein. Es wird nicht allzuviel geredet, ab und an gescherzt und an jeder VS trinke ich und esse kleine Brotstücke und/oder Obst. Ich hatte ziemlich bald Probleme mit Magen und Darm und wusste nicht so recht was ich machen sollte. Irgendwann hatte ich die Sache aber im Griff (so ein WC ist Gold wert

) und das macht das Laufen bedeutend angenehmer. Zum Profil kann man eigentlich nur sagen, das der Lauf halt in der Schweiz und darum nicht unbedingt flach ist, aber das ist der Schwarzwald auch nicht...Bei km 60 etwa müssen die Radler wieder verschwinden, denn dann geht es für uns Läufer auf den berühmt berüchtigten Ho-Chi-Min- Pfad. Am Anfang ist der echt harmlos und innerlich hab ich schon die Augen verdreht, aber dann kams doch dicke in Form eines Wurzelweges bei dem es mich 3x fast auf die Schnauze gelegt hat

. MannOMann, das war nicht witzig und für die Moral auch nicht grade förderlich...Aber auch das geht rum und dann waren auch die Velofahrer wieder da. Natürlich müsst ihr euch vorstellen, das es auch immer wieder Gehpassagen gibt und irgendwann kommen auch Schmerzen, aber lange nicht so schlimm wie ich gedacht habe. Beim letzten offiziellen Ausstiegspunkt geht es nochmal den Berg für 500m ziemlich hoch, aber auf der anderen Seite geht es viel länger bergab und das tat schon richtig weh. Bei km 70 hab ich aber gewusst, das Ding schaffst du und wenn ich die letzten km gehen muss- musste ich aber nicht. Eines der letzten Stücke geht an der Aare entlang. Ich habe oft in Berichten gelesen, das es ein sehr langweiliges Stück sein soll, aber ich fand es entspannend so am Fluss entlang (sofern man da noch entspannend sagen kann...). Bei km 90 war in einer Gärtnerei ein Schild aufgehängt: Viel Erfolg beim 10km Endspurt. Das fand ich total nett und aufbauend. Als wir von der Aare weg waren, was müssen da meine entzündeten Augen sehen

Wieder Ein Berg!Krutzitürken- das gibt´s doch nicht. Also, da auch noch rauf und was soll ich sagen- irgendwann kommt das 95km-Schild und danach werden die letzten km wieder einzeln angezeigt. Sogar da waren ab und zu wieder Gehpausen nötig.

Aber dann kommt das allerallerschönste Schild!99km

Und du weißt: Jetzt hast du es geschafft und du richtest dich auf aus dem Neandertalergang in den des Neuzeitmenschen und läufst locker flockig (kein Witz!) durchs Ziel (in 11h 45min 21 sek) und krallst dir die Medaille bevor sie ein Anderer nimmt. Und schöner wie die Medaille war, das mein Papa und mein Freund im Ziel waren und die waren fast noch stolzer wie ich, wenn das überhaupt geht.

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An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank an meinen Fahrradbegleiter Mario, der gefroren hat wie ein Hund, aber trotzdem zu jeder Zeit für mich da war, an meinen Dad, der sich die Nacht um die Ohren geschlagen hat und an allen möglichen Stellen der Strecke einfach da war und an meinen Freund Michael, der sich seit Monaten nur meine Bielgeschichte vorher/nachher anhört ohne zu murren. Ich glaube ja er tut nur so, als würde er zuhören
Also, das war mein Bericht bei dem ich ganz viel vergessen habe, aber sonst würde es noch ewig dauern bis ich fertig bin....Ich hoffe er liest sich nicht allzu schlimm und wenn doch, will ich´s nicht wissen...
Zum Schluss sei noch gesagt, das ich fest vor habe 2009 wieder mitzumachen und vielleicht kommt ja einer von euch mit

Na Doris???
Niemand ist weiter von der Wahrheit entfernt, als der der alle Antworten weiß.