Alles Vorfuß - oder was?

Alles rund um die Lauftechnik, Umfragen zu euren eigenen Erfahrungen und Austausch Über die richtigen Techniken

Moderator: Speedy

Alles Vorfuß - oder was?

Beitragvon jens77 » 17.11.2007 / 14:27

Endlich gibt es zum Thema mal eine Studie mit Aussagekraft!
In den letzten Jahren musste man ja oft in diversen (Fach-)Zeitschriften lesen, was angeblich der beste Laufstil bezüglich des Auftritts des Fußes beim Laufen ist. Anfangs verursachte dies, dass viele Rückfußläufer - also diejenigen, die mit der Ferse als erstes den Boden berühren und dann über den Mittelfuß zur großen Zehe hin abrollen - auf die Vorfußtechnik umstellten. Mit dem Ergebnis, dass sehr viele Verletzungen an der Achillessehne bekamen.
Letztens wurden diese Zeitschriften in ihren Ausgaben moderater und propagierten die Mittelfußtechnik. Kurz bevor ich ein schlechtes Gewissen bekommen hätte, wegen meines eher Rückfußlaufstils, laß ich eine bemerkenswerte Studie zu diesen Thema.
Die Zeitschrift "RUNNING" verwies auf eine im "Journal of Strength and Conditioning Research" veröffentlichten Studie auf folgendes:
74,9% der Läufer eines Halbmarathons kamen mit dem Rückfuß und nur 1,4% mit dem Vorfuß zuerst am Boden auf. Selbst bei Eliteathleten gab es nur 2% Vorfuß- aber immerhin 36% Mittelfußläufer (also "nur" 62% Rückfußläufer).
Dabei wurde mit einer Hochgeschwindigkeitskamera bei einem Wettkampf gefilmt und die Bilder akribisch ausgewertet.
Warum schreibe ich das jetzt alles???
Weil viel zu oft (auch mich von meinen Klienten) gefragt wird, wie man denn am besten den eigenen Laufstil vom Rückfuß auf Vorfuß umstellen könnte. Mit der (auch meiner) Antwort "Am diesem Technikabschnitt - wenn überhaupt - als letztes zu arbeiten" gefiel diesen meist nicht, denn "Ich habe aber gelesen, dass ...".

Unabhängig von meiner Warnung vor dem Umstellen mit der Brechstange würde mich aber dennoch interessieren wie ihr den so lauft - oder in diesem Fall landet?

Grüße
Jens
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Beitragvon Hardy63 » 18.11.2007 / 15:30

Hallo Jens,
ich muss auch gestehen, dass mich die Diskussion in den Fachzeitschriften doch verunsichert hat. Bei einigen Trainingseinheiten habe ich mich daraufhin als Vorfußläufer betätigt. Irgendwie habe ich mich dabei aber nur auf die Landung konzentriert und der Spass am Laufen kam zu kurz. Nach diesem kurzen Ausflug habe ich mich entschlossen weiterhin als Rückfußläufer unterwegs zu sein.
Gruß
Hardy
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Beitragvon laufpapst » 18.11.2007 / 18:32

... wie wir laufen sollten? Natürlich "je schneller desto Vorfuß"!
Gehen wir mal in die Berge: Steiles Bergauflaufen dürfte auch den Vier-Std.-Marathoni auf den Vorfuß zwingen und steil bergab wird selbst Haile G. eher mit dem Rückfuß aufsetzen. Zumindest als fortgeschrittener Läufer sollte man also variabel "den gesamten" Fuß beherrschen, in der Ebene eben(!) geschwindigkeitsabhängig. Aus meiner Sicht hat der heute oft verteufelte Rückfuß allenfalls den Nachteil, daß er eine (zu) niedrige Schrittfrequenz, ein ungesundes Aufsetzen mit dem gestreckten Bein und das "Sitzen" im Schritt mit gebeugter Hüfte begünstigt. Das Problem sehe ich daher weniger in der Frage, womit man aufsetzt, sondern wo (nämlich nahe des Körperschwerpunktes). Hier kann sanftes (natürlich nicht mit der Brechstange!) Umstellen oder Anpassen tatsächlich Probleme mindern oder beseitigen!
Und wie lernt man sowas? Am besten im Sportverein (LA, Triathlon), wo ein erfahrener Trainer über Monate (!!) durch entsprechende Übungen den Laufstil optimieren kann. Als Selbsthilfe empfehle ich, öfters die flache Asphaltstrecke zu verlassen und möglichst naturnah, auf schmalen, wurzeligen Waldpfaden bergauf und (vorsichtig!) bergab zu laufen. Da ist kein Schritt wie der andere, da "muß" gelegentlich auf dem Vorfuß getänzelt werden, da gibt man mal auf dem Mittelfuß Gas und der Körper stellt sich nach und nach darauf ein. Würde sich demgegenüber ein 90-kg-Mensch von heute auf morgen entschließen, Vorfußläufer zu werden, dürfte er binnen kurzer Zeit beim Orthopäden landen (und zwar nicht auf dem Vorfuß, sondern auf dem Hintern :wink: ) ...
Grüße an alle, LP
"Der, der stehenbleibt, stirbt."
(Mensen Ernst)
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Beitragvon Speedy » 19.11.2007 / 10:33

Vor 14 oder 15 Jahren hatte ich einen WG-Kameraden, der praktisch ausschließlich auf dem Vorderfuß gelaufen ist. Das wirkte so elegant! Das sah so locker aus! Man hat ihn definitiv beachtet! Waaaaahnsinn!!!
Ich kann mich nicht mehr erinnern, was damals (laut Literatur, Magazinen, etc.) DER ideale Laufstil war, aber wenn ich ihn laufen sah, schlich sich jedes Mal ein Stirnrunzeln auf meine Stirn.
Eher instinktiv als wissenschaftlich betrachtet hatte ich das Gefühl, dass er da ganz großen Mist verzapfte und dass das nicht wirklich gut für die Achillessehne (und andere Sehnen/Bänder) sein konnte. Bei ihm rächte sich dieser Laufstil meines Wissens nie. Andererseits lief er auch nur 1x die Woche und nicht mehr als 5 km.

Fakt ist: Die meisten Läufer hier im Forum können bzw. sollten sich nicht "in jedem Punkt" an afrikanischen Spitzenläufern orientieren, die 1.70 meter klein sind, 50 Kilo wiegen und so einen Laufstil Dank geringem Gewicht und entsprechender Konstitution "wegstecken" können. Und selbst bei denen sind nicht "alle" oder "die meisten" Vorderfußläufer - schon gar nicht auf langen Distanzen.
Wenn überhaupt, bietet sich das eher für kurze, schnelle Läufe an. Auch am Berg läuft es sich eher schwer über den Hinterfuß. laufpapst schreibt dazu ja schon Interessantes.
Ich selbst baue Vorderfußläufe eher zur Abwechslung ins Training ein oder laufe im Training bei einem 15 oder 20-Kilometerlauf schon mal so aus Spaß und gegen den üblichen Trott einen "Vorderfußkilometer", variiere auch mal die Armhaltung und ähnliches. Zumindest für mich ist es definitiv weder Ziel, einen HM oder gar Marathon auf dem Vorderfuß zu laufen (orthopädische Probleme kann man sich auch auf weniger gewagte Art einfangen!) noch sehe ich das als "Zielgröße".

Was die Laufzeitschriften und die immer wieder neuen Erkenntnisse betrifft: Wie viel Neues kann man denn übers Laufen schreiben, wenn man monatlich 50 oder 80 oder 100 Seiten füllen will? :wink: Klar, dass sich die Themen (in neuem Gewand) nach einiger, nicht allzu langer Zeit, wiederholen müssen. Und auch klar, dass sich Laufzeitschriften gierig auf neue Erkenntnisse stürzen müssen. Da wird schon mal per Schnellschuss dieses oder jenes propagiert. Ich denke, hier ist jeder Läufer selbst gefordert kritisch zu hinterfragen, wie sinnvoll oder unsinnig die gaaaanz neue, gaaaaanz tolle Erkenntnis ist. Und/Oder er tauscht sich mit gleichgesinnten in der Laufgruppe aus, fragt einen Trainer, begibt sich zum Meinungsaustausch ins Internet-Forum :D
Ich denke, dass diejenigen unter euch, die schon einmal probiert haben auch "nur" 10 km auf dem Vorderfuß zu laufen, zu spüren bekommen haben, was für eine Belastung das ist...
Übrigens haben wir auch bei RUNNING LIFE etwas zu diesem Thema.

Es grüßt euch
Speedy
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Beitragvon schwarzwaldmadel » 19.11.2007 / 20:52

Hallo Jungs,
auch wenn ich mal wieder eine unpopüläre Meinung vertrete, aber ich denke man sollte nicht immer alles so verwissenschaftlichen.Die meisten wählen doch instinktiv die für sie richtige Laufart. Wir alle sind doch mehr oder weniger ambitionierte Hobbyläufer und wenn ich bei meinem Training ständig darauf achten müsste meine Füße dazu zu zwingen einen für sie untypischen Laufstil anzuwenden....Na, also mir würde es das Laufen ganz schön vermiesen. Und das alles nur, weil in irgendeinem Land, auf irgendeiner Uni, irgendeine Studie zum x-mal mit unterschiedlichem Testergebnis gemacht worden ist und eine der x Laufmagazine das jetzt ganz groß rausbringen muss. :roll: Natürlich soll man grade den Winter dazu nutzen seinen Laufstil zu verbessern, aber das beinhaltet für mich mehr die Haltung, Rücken grade usw..Letztenendes wird man doch heutzutage auch keinen Linkshänder mehr auf rechts umerziehen, also sollte man seine Füße auch laufen lassen so wie sie es für richtig halten. Vorraussetzung ist natürlich das keine gesundheitlichen Probleme auftreten- logisch :)
Ich ziehe natürlich auch mein Programm durch und mach mir damit zum Teil richtig Stress (bin auch nicht so´n Spaßläufer wie es sich immer anhört). Aber ich habe ehrlich gesagt noch nie darauf geachtet, ob meine Füße so aufkommen wie es die Wissenschaft gerne hätte. :wink: Und trotz meiner Ignoranz bin ich gar nicht sooo schlecht, also in diesem Sinne: keep on running!
Andrea (die Unbelehrbare) :P
Niemand ist weiter von der Wahrheit entfernt, als der der alle Antworten weiß.
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