Eine Studie hat ergeben, dass das häufigste Wort, welches hierzulande gesprochen
wird, das Wort „ICH“ (bzw. seine Derivate) ist.
- ICH denke dass,...
- MEINER Meinung nach...
- Wenn Du MICH fragst...
Mag sein.
Nach recht kurzer Zeit in China festigte sich meine Theorie über das am häufigsten
verwendete chinesische Wort:
„Bu Xing!“ mit anderen Worten: „Es geht nicht!“.
Zunächst einmal geht (fast) gar nichts. Vor allem dann, wenn man des Chinesischen
unkundig ist, denn Englisch wird selbst in Metropolen wie Shanghai nur allzu oft
nicht verstanden. In kleineren Städten (nach chinesischen Maßstäben gehören dazu
„Dörfer“ mit 500.000 bis 2 Millionen Einwohner) ist man ohne Chinesischkenntnisse
praktisch aufgeschmissen. Zwar lernen viele Schüler inzwischen Englisch am College –
da sie im Unterricht aber in erster Linie zu schweigen und zuzuhören haben, mangelt
es bezüglich der Kommunikationsfähigkeit deutlich an Übung.
Nun gut!
Zu meinem Glück hat meine Reiseleiterin (und zugleich Freundin) unter anderem Sinologie
studiert und spricht fließend chinesisch.
Trotzdem: „Bu Xing!“
Es geht also nicht. Egal ob man im Restaurant aus einer dieser überwältigend umfangreichen
Speisekarten 4 bis 5 Gerichte auswählen möchte (die meist in überschaubaren Portionen geliefert
werden und von denen man nach chinesischer Esstradition mit den Essstäbchen mal hier,
mal dort nascht) und nur eins davon aktuell zubereitet werden kann oder Zugtickets benötigt
werden, um von Punkt A nach Punkt B zu gelangen.
Obwohl die meisten Chinesen nach wie vor arm sind, hat sich die Situation in den letzten
Jahren insgesamt etwas verbessert, so dass nun mehr Chinesen reisen. Zugleich ist beim
Verkehrssystem alles beim Alten geblieben, die Zugverbindungen wurden nicht erweitert,
die Frequenz nicht erhöht. Das Ergebnis ist, dass Zugtickets (obendrein für Ausländer!)
nur schwer oder gar nicht zu bekommen sind. Es hilft, chinesische Freunde zu haben, unter
deren kenntnisreicher Regie plötzlich möglich wird, was zuvor angeblich auf keinen Fall ging.
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Bei Banken verhält es sich übrigens ganz ähnlich... Es ist für Privatleute nach wie vor unmöglich,
bei der größten Bank Chinas, der „Bank of China“ eine Auslandsüberweisung zu tätigen.
Was dagegen in Shanghai noch möglich ist, versagt anderswo: In einer
1-Millionen-Metropole akzeptieren die Geldautomaten weder Master- noch Visacard und wenn man den
Bankangestellten Traveller Cheques von American Express unter die Nase hält, werden diese großäugig
gemustert und begutachtet, bevor einem mit einem „Bu Xing“ geraten wird, eine andere Bankfiliale,
einige Kilometer die Straße hinunter, aufzusuchen. Hat man sich auf diesem Wege durch vier
Bankfilialen gekämpft, so stellt man mit Erstaunen fest, wieder bei der ersten angelangt zu sein.
Probleme sind lösbar. In China scheint die Regel zu gelten, dass sich am liebsten andere um eine
mögliche Lösung kümmern sollen.
Gelingt es wider erwarten (und nach 1.5 Stunden Wartezeit – bei größeren Banken zieht man einen
Zettel mit einer Nummer, ähnlich wie bei uns in einigen Rathäusern) einen Bankangestellten zum
Umtausch der Schecks in Yuan Renminbi – der chinesischen Währung – zu überreden, so dauert der
Vorgang eine halbe Stunde, ein Dutzend Formulare müssen ausgefüllt, ca. 50 Stempelungen vorgenommen
werden.
Für einen Läufer, der es gewohnt ist, die Dinge SCHNELL voranzubringen, ist dies eine sehr
deprimierende Erfahrung.
weiter...
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