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Laufen in China

RUNNING in CHINA: Angezeigt wird: 11 von 15

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Ich kam am „Twin-Tower“ vorbei, wie ich das ca. achtzig Meter hohe Doppelgebäude am Rande des Sees bei mir nannte, welches im obersten Teil durch eine Art Steg verbunden war, lief flotten Schritts eine Straße hinunter und fragte mich schon, ob ich auf diesem Wege die Seeumrundung schaffen oder mich am Ende noch verlaufen würde, als ich zu einem Tor gelangte, welches den Eingang zum Tianjinhu-Park markierte.

Na also!
Jetzt waren es bestimmt nicht mehr als ein, zwei Kilometer, bis ich die Seeumrundung geschafft haben würde. Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, als sich auch schon der gute alte Friedrich von Schiller in mein Blickfeld schob. Ich blinzelte. Das konnte doch nicht sein. Wo ich doch im Allgemeinen so viel auf meinen Orientierungssinn gab. Ich musste (von all den „Lao Wai“ gehetzt) wohl deutlich schneller unterwegs gewesen sein, als ich es mir gedacht habe. Ein Blick auf die Uhr. Es waren erst 24 Minuten vergangen, worin die 6 Minuten für die 1.5 Kilometer bis zum Park bereits enthalten waren. Bevor jemand den mahnenden Zeigefinger hebt, möchte ich gleich drei Entschuldigungen für das hohe Tempo anführen:
Zum einen war ich nach längerer Laufabstinenz optimal regeneriert und hoch motiviert. Zum Zweiten ging es die 1.5 Kilometer bis zum Park ordentlich bergab. Zum Dritten ist es wahlweise motivierend oder Fluchtinstinkt-auslösend, permanent das „Lao Wai“ hinterher geschrieen zu bekommen.

Nun gut. Erst 24 Minuten waren vergangen.
Ich ließ meinen ruhigen Blick über den westlichen See schweifen, dessen Umrundung ich mit einiger Skepsis in Betracht zog. Waren wir gestern während eines gemütlichen Spaziergangs doch genau diese Strecke gegangen und war es denn nicht so, dass mir deren kopfsteinpflasterartige Unebenheit nur zu deutlich aufgefallen war? Wenigstens an einigen längeren Teilstücken? Einerlei. Laufen in China erfordert eine hohes Maß an Kompromissbereitschaft. Also los geht’s! Das oder gar nichts!
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