|
Ich habe New York bereist und selbst die Luft dieser dicht befahrenen Mega-Metropole wirkt im
Vergleich zu den Städten Chinas geradezu jungfräulich. Nach diesen Maßstäben raucht man während
einer Stunde Dauerlaufs in Shanghai oder Xi’an oder Hefei oder irgendeiner anderen Stadt deutlich
mehr – denn all diese Städte bestechen nicht nur durch ihren quirligen Verkehr sondern auch durch
die (ungefilterten) Industrieschloten im unmittelbaren Umkreis.
Es wäre nicht erstaunlich, würde ein findiger Wissenschaftler mit modernen Messmethoden ermitteln,
dass eine Stunde Dauerlauf in Shanghai dem Äquivalent von 5 oder 6 Zigaretten entspricht.
Einmal ganz offen:
Trotz der aktuellen Feinstaubdiskussion und dem Willen der EU, die CO2-Emmission bis zum Jahre
2020 um weitere 20% zu reduzieren, wurde mir erst in China klar, wie gut wir es hierzulande
noch immer haben.
Wer nun dem Irrglaube anheim fällt, um das ländliche China wäre es besser bestellt, wird bitter
enttäuscht. Irgendwo müssen all die Güter („Made in China“) produziert werden. Und so erstrecken
sich die Industrieanlagen quer über das Land der Mitte. Amerikanische und Europäische Firmen wollen
seit vielen Jahren gut – und vor allem billig – produzieren. In Ländern, wo die Löhne niedrig sind
und Umweltauflagen praktisch nicht existieren. Zugleich aber entwickelte sich China seit 1990 rasant
zur fünft größten Industrienation der Welt mit einem geschätzten Bruttoinlandsprodukt von 10 Billionen
Dollar (Schätzung für das Jahr 2006).
Diese Beträge kamen bisher praktisch nicht dem Umweltschutz und nur zu einem kleineren Teil der
„normalen“ Bevölkerung zugute (also Menschen, die nicht zu den ca. 70 Millionen Mitgliedern der
Regierungspartei gehören).
Noch während des „Großen Sprunges nach vorn“ rief Mao zu einem Krieg gegen die Natur
auf, um Rohstoffquellen zu erobern. In dieser Zeit wurden zahlreiche Wälder abgeholzt, um für die
Stahlerzeugung genug Holz zur Verfügung zu haben.
Je nach Studie befinden sich von den zehn schmutzigsten Städten der Welt acht bis neun im Land der
Mitte.
Erst Anfang März 2007 wurde von der Volkspartei nicht nur eine Erhöhung des Wehretats auf rund 35
Milliarden EUR beschlossen, sondern außerdem – endlich – die Absicht kund getan, sein Augenmerk
verstärkt auf den Umweltschutz zu richten.
Dies ist auch dringend nötig, möchte man auf lange Sicht vermeiden, einen signifikanten
Bevölkerungsanteil aus gesundheitlichen Gründen (Lungenkrebs u.ä.) zu verlieren. Viele Chinesen tragen
auf der Straße einen Mundschutz und ähneln, rein optisch, Chirurgen während einer Operation.
Selten ist der Himmel über China blau. Selbst bei wolkenlosem Himmel schwebt stets ein Schleier zwischen
uns und dem Himmel, der sich wahlweise durch ein nebliges Antlitz oder eine bräunliche Verfärbung
bemerkbar macht. Eine müde Sonne blinzelt von ihrem erschöpften Zenit und manchmal, nur manchmal,
überkommt einen die Befürchtung, sie könnte einfach so hinabstürzen.
Einfach so, ganz kommentarlos.
Ich glaube nicht, dass man jemandem, der dieses Phänomen nicht selbst erlebt hat, verdeutlichen kann,
wie es ist, wenn man sich bereits nach wenigen Tagen im „Land der aufgehenden Sonne“ (sic!) spätestens
jede Stunde kräftig räuspern muss, um seine Atemwege von einem sich ansammelnden Schleimklumpen zu
befreien.
weiter...
|