Trainingslauf am 06.06.2005
Einfacher Lauf ohne Trainingsplan im Schwabenland
Heute laufe ich zum ersten Mal in einem Wald.
Ich entschließe mich für den linken zweier Wege. Der, der mehr in den Wald
reingeht. Beide Wege sind aber nahezu parallel. Kurz darauf wird mir der
Weg doch zu matschig. Ich biege also in einen kleinen Weg rechts ein,
der mich zu dem äußeren Weg führen soll. Der kleine Weg endet aber im Nichts.
Ich laufe trotzdem weiter und nun wird es ein Crosslauf. Die Angst vor
Brennnesseln lässt mich immer höher springen, wobei ich die Brennnesseln im
Dickicht wohl gar nicht erkennen würde.
Schwupps bin ich auf dem richtigen Weg, der links weiterführt und breiter wird.
Hier sind jetzt auch kleine Kieselsteine und ich denke so bei mir, dass ich doch
nur zwei Meter Untergrund brauche, um zu laufen. Mehr braucht der Läufer nicht.
Und dann gebe ich mich meinen Gedanken hin und bin glücklich.
Da sehe ich einen kleinen Vogel direkt vor mir. Der lässt mich dicht herankommen,
um dann wegzufliegen und ich folge ihm mit meinem Blick... und sehe Wald. Sehe Bäume.
Sehe Tiere. Und höre sie! Ohren entstöpseln, mp3 ausschalten und eine geballte Ladung
Natur aufsaugen! Ein Schauer überfällt mich von Kopf bis Fuß. Wie schön!
Circa 15 Minuten halte ich die Natur aus, dann wird der mp3 wieder angeschaltet.
Ja, so ist das mit den Stadtkindern.
Ich laufe also so durch den Wald und bin auf einmal an meinem Ausgangspunkt angelangt.
Ich und mein Orientierungssinn! Genau eine halbe Stunde bin ich im Wald unterwegs gewesen.
Hey, denke ich so: Hey, du könntest jetzt doch noch mal die gleiche Runde laufen...
Nur schneller! Gesagt, getan, laufe ich den gleichen Weg (den Matschpfad spare ich mir,
gewinne dadurch aber höchstens 200 m). Nach der Hälfte des Weges bin ich kaputt (auch
der Wald besteht nur aus ewigem Auf und Ab) und ich denke mir, dieses Vorhaben doch
nicht umzusetzen.
Aber nein: Ich will es mir beweisen. Also laufe ich weiter. Erschwerte Bedingungen
bekomme ich durch zwei Spaziergänger, die besondere Leistungen von mir abfordern (sie
laufen bergab und ich komme ihnen entgegen). Ich war also gut in der Zeit, jetzt noch
den Weg links rein... dann rechts... nee, das ist nicht der richtige Weg. Ich bin nie
über einen Baumstamm gesprungen. Also Kehrtwende und rechts. Wann kam denn der Weg?
Laufe den nächsten rechts. Der endet wieder im Nichts... wo bin ich? Hektik. Laufe wieder
zurück, jetzt einfach in den Wald, weil dort drüben doch das Ziel sein muss. Komme an
einen bekannten Weg, aber wo jetzt hin? Links, rechts? Rechts, links?
Enttäuschung, denn nun wusste ich, dass ich keine vergleichbare Zeit mehr erlaufen würde.
Es war vorbei. Langsam lief ich die Strecke zurück und erkannte meinen Fehler: Kurz vor
dem Ziel war ich links abgebogen, statt geradeaus weiterzulaufen. Das Ziel war so nahe
gewesen. Aber ich wollte der verpassten Chance nicht hinterher heulen. Es war nun mal
so und ich würde wiederkommen! Wieder hier laufen!
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