Laufbericht Marokko
Meinem nicht laufenden Bekanntenkreis dürfte ich einen solchen Erfahrungsbericht
gar nicht zumuten. Erste zaghafte Versuche in diese Richtung wurden rasch im Keim
erstickt, als mir fassungslose Gesichter die unvermeidliche Frage stellten:
"Jeden Tag Laufen? IM URLAUB…?!?"
Beschwichtigungen, dass es sich keinesfalls um tägliches Laufen, sondern lediglich
um elf Läufe in 13 Tagen handelte, tat dem Entsetzen keinen Abbruch. Sei’s drum.
Jeder hat das Recht und die Freiheit seinen Urlaub so zu verleben, wie sie (oder er)
es für richtig hält. Wer von Morgens bis Abends in der Sonne liegen will, gefangen
im süßen Nichtstun... nur zu. Aber ich denke, hier und jetzt ist der richtige Ort,
die richtige Zeit und die eine oder andere interessierte Läuferin / der eine oder andere
interessierte Läufer, der mehr erfahren möchte.
Marokko.
Ende Januar, Anfang Februar. Die ersten fünf Tage wurde ich Zeuge eines
traurigen marokkanischen Rekords. Einheimische und Dauertouristen wurden nicht müde,
zu betonen, eine derartig lange Dauerregenperiode hätte es hier seit Menschengedenken
nicht mehr gegeben. Mag sein. Macht mich leider nicht glücklicher, dass gerade ich sie
miterleben durfte. Im Sinne von "es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur die falsche
Kleidung" war es dennoch möglich, mit seiner Zeit etwas sinnvolleres anzufangen,
als betröpfelt (und mit traurigem Hundeblick die Wolken betrachtend) im Zimmer zu hocken.
Laufen in und um Agadir ist wunderbar. Wenn am Atlantik Ebbe herrscht ist der Strand
nahezu eben. Die vorige Flut tut ihr übriges. Der Sand ist oft hart genug um einen guten
Abtritt zu gewährleisten und doch noch ausreichend elastisch, um Gelenk schonend zu sein.
Man sollte lediglich darauf achten, nicht während der Flut und in der unmittelbaren Zeit
nach der Flut am Strand zu joggen, dann ist der Boden weich und aufgewühlt, der Abtritt
schlechter und die muskuläre Anstrengung entsprechend höher (obwohl auch dies, innerhalb
gewisser Grenzen für den einen oder anderen durchaus seinen Reiz haben kann).
Und wenn es sich am Strand nicht optimal läuft, bieten auch die Straßen und die Umgebung
von Agadir durchaus reizvolle Laufstrecken.
Fazit:
13 Tage Urlaub in Marokko (ohne An- und Abreisetag). 11 Läufe, davon ein Wüstenlauf,
3 Bergläufe, ein Stadtlauf und 6 Strandläufe. Insgesamt gelaufene KM: 140.
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| 26.01.2006 Wüstenlauf |
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Wüsten sind trocken. Ihr Kennzeichen ist sengende Hitze, flimmernder Sand, eine
grausam vom Himmel brennende Sonne die jeden dazu zwingt, die Augen zu Schlitzen
zusammenzukneifen. So heiß es am Tag ist, so bitter kalt wird es in der Nachte.
Denn dies ist, per Definition, ein Markenzeichen dieser endlosen Leere aus Sand.
Was die Wüste nicht ist, ist ein Ort des Regens und der blühenden Landschaften.
[... Fortsetzung]
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| 03.02.2006 Agadir – Strandlauf |
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Als sie mich überholte, brachen sich die Wellen gleichgültig gegen den Strand.
In lockerem Tempo und an nichts Böses denkend, bemerkte ich, wie sie mich links
liegen ließ. Nennen wir sie Hasna, ihr richtiger Name ist an dieser Stelle nicht
so wichtig. Hasna also. Auf der Überholspur (nämlich vorschriftswidrig zu meiner Rechten)
und das genau in dem Moment, wo ich mich unentschlossen fragte, ob ich eine Gruppe von
drei Männern, die forsch nebeneinander herliefen, überholen sollte.
[... Fortsetzung]
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